FeedMehemed-Ali Pascha
GeschichteBrockhaus 1882

Mehemed-Ali Pascha, türk. Marschall (Muschir) deutscher Abkunft, hieß ursprünglich Karl Detroit, wurde 18. Nov. 1827 zu Brandenburg an der Havel als der Sohn eines preuß. Stabstrompeters geboren, in Magdeburg erzogen und ging Ende 1843 als Schiffsjunge nach der Levante. Im Hafen zu Konstantinopel entfloh er vom Schiff und trat zum Islam über, wobei er an dem spätern Großvezier Aali Pascha einen Gönner fand, der ihn von 1846 ab die türk. Kriegsschule besuchen ließ. Due Frühjahr 1853 trat M. als Offizier in türk. ienste und nahm am Krimkriege, sowie 1861 und 1862 an dem Feldzug gegen Montenegro teil. Er wurde 1863 zum Oberst und Bei, 1865 zum Brigadegeneral und Pascha befördert. M. begleitete 1867 den Muschir Hussein-Avni Pascha nach Kreta, wurde nach Unterdrückung des kretischen Aufstandes zum Divisionsgeneral befördert und unterdrückte das Räuberwesen an der griech. Grenze. Als im Herbst 1875 der Aufstand in der Herzegowina um sich griff, wurde M. nach Bosnien als Kommandant der türk. Truppen berufen und zum Marschall ernannt. Während des Kriegs mit Serbien hatte er sein Hauptquartier zu Sienitza. Beim Ausbruch des Russisch-Türkischen Kriegs (1877) wurde M. angewiesen, an der Spitze von zwei türk. Korps gegen Montenegro zu operieren, wobei er sich durch hervorragende Tapferkeit auszeichnete. Am 18. Juli 1877 wurde ihm an Stelle des greisen Serdar-Ekrem, Abdul-Kerim Pascha, der Oberbefehl über die im östl. Bulgarien zwischen Schumla, Varna und Rustschuk versammelte Donau-Armee übertragen. M. zog sein Heer bei Schumla zusammen und rückte 30. Juli, 60000 Mann stark, gegen Tirnowa. Das russ. Oberkommando versammelte alle vor Plewna und im Schipkapaß entbehrlichen Truppen in der Linie Sistowo-Tirnowa und trat in den ersten Tagen des August bei Rasgrad, wo Mis bester General, Aziz Pascha, fiel, der Vorhut M.s entgegen. M. hatte inzwischen auch die ägypt. Truppen zur Hauptarmee am Lom herangezogen, und schlug 31. Ang. ein russ. Korps bei Kara-Hassankioi mit großem Verlust zurück, ferner 5. Sept. das 12. und 13. russ. Korps bei Kazeljewo, wodurch die ganze Lomlinie in Besitz des türk. Heers gelangte. Er befestigte dann das rechte Ufer des Lom und rückte 13. Sept. über diesen Fluß gegen Biela vor, schlug 14. Sept. das 13. russ. Korps bei Sinankioi, wurde jedoch 21. Sept. bei Cerkowna vom russ. General Tatischef geschlagen und zum Rückzug hinter den Lom genötigt. Bald darauf wurde M. des Oberbefehls enthoben und durch Suleiman Pascha ersetzt. M. blieb zunächst in Konstantinopel, wo er an den Beratungen im Seraskierat teilnahm, wurde aber nach dem Fall von Plewna zur Organisation einer neuen Armee nach Rumelien entsendet und 9. Jan. 1878, nachdem die Russen den Balkan überschritten und Sofia besetzt hatten, zum Serdar-Ekrem ernannt und zum Abschluß eines Waffenstillstandes mit Rußland ermächtigt. Nach dem Abschlusse des Vertrages von San-Stefano blieb M. zunächst in Konstantinopel, war im Juni 1878 zweiter Bevollmächtigter der Pforte beim Berliner Kongreß und ging im September nach Albanien, um die an Serbien und Montenegro abzutretenden Grenzbezirke, welche sich im Aufstande befanden, zu unterwerfen und zu übergeben. Aber schon 7. Sept. 1878 wurde M. von den Albanesen in Jakowa ermordet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 578Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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