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ErdkundeBrockhaus 1882

Melk, Marktflecken in Niederösterreich, Bezirkshauptmannschaft St. Pölten, in der Nähe der Mündung des Pielachflusses in die Donau, zählt (1880) 1716 E., ist Sitz eines Bezirksgerichts, Station der Linie Wien-Salzburg der Ssterreichischen Staatsbahnen, sowie der Westbahn und Donau-Dampfschiffahrtsgesellschaft. Sehenswert ist die Kirche aus dem 15. Jahrh. mit Gemälden vom Kremser Schmid. In der Nähe ist eine Seil⸗ und eine Drahtstiftenfabrik. Das Benediktinerstift Melk, 57m hoch über dem Markte in reizender Lage, hat ein Obergymnasium, Vorbereitungsklasse und Erziehungsanstalt. M., das Namareé der Römer, spätere Grenzfestung der Ungarn, wurde vom Babenberger Leopold I. eingenommen, der daselbst 985 eine Kollegiatkirche für 12 Weltpriester stiftete; 1014 wurde der Leichnam des heil. Coloman hierher gebracht. Leopold III. und Altmann von Passau versetzten 1089 Benediktiner aus dem oberösterr. Stifte Lambach hierher. Durch Leopold III. wurde das Stift frei von Passau und der Landesfürst sein Vogt. Das unter Friedrich dem Schönen befestigte Stift hielt 1683 eine vierwöchentliche Belagerung durch die Türken aus. Die Hauslehranstalt wurde 1781 in ein öffentliches Gymnasium verwandelt, das unter Kaiser Joseph II. nach St. Pölten verlegt, schon 1804 wieder dem Stifte zurückgegeben wurde. Der Bau des Stiftsgebäudes und der prachtvollen Kirche wurde 1702—36 von Prandauer geleitet und 1738 durch Mungenast vollendet. In der Stiftskirche befinden sich Fresken von Rottmayer und Scanzoni, ein Tabernakel von Würth und die Grabstätte der ersten Babenberger (Leopold I. und seiner Gemahlin Richarda, Albert J. und seiner Gemahlin Frowiga, Ernst und seiner Gemahlin Swanehild). Im Archiv sind aufbewahrt das Melkerkreuz (Fassung einer vom Markgrafen Adalbert 1045 dem Stifte geschenkten Kreuzpartikel), Trinkbecher des heil. Ulrich (aus einem Kürbis, vom Markgrafen Ernst 1070 geschenkt), ein Reliquiar aus Bergkrystall aus dem 14. Jahrh. und ein got. Ostensorium. In der Prälaturskapelle sind deutsche Bilder, die Kreuzigung darstellend, Deckenfresken von Keigl (1782) und ein Flügelaltar. Der Prälatursaal, gemalt von Scanzoni (1719), enthält eine Madonna vom ältern Cranach, Tierstücke von Hamilton. Die Sommersakristei ist gemalt von Baduzzi (1703), der Kapitelsaal von Bachmann, die jetzige Studentenkapelle von Scanzoni, die Bibliothek von Träger. Die Bibliothek besitzt über 50000 Bände, 1500 Handschriften, Inkunabeln und ausgezeichnete Miniaturen (ein Gebetbuch von Beatrix, der Gemahlin des Matthias Corvinus, ist besonders hervorzuheben). Vgl. Keiblinger, (Geschichte des Benediktinerstifts M. (2 Bde., Wien 1851—69).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 603Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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