Linz, Hauptstadt von Oberösterreich oder OÖsterreich ob der Enns, in reizender Gegend am rechten Ufer der Donau gelegen, über die hier eine 208 m lange eiserne Gitterbrücke führt, Station der Linien Wien-Salzburg und L.⸗Gaisbach der Osterreichischen Staatsbahnen und der Kremsthalbahn, zählt mit den Vororten Lustenau und Waldegg 41687 E. und ist Sitz der Statthalterei, des Militärkommandos, eines Landesgerichts und anderer Behörden, sowie eines Bistums. In der Mitte des Hauptplatzes, der von der Donau aus aufsteigt und von hohen wohlgebauten Häusern umgeben ist, steht die 1723 von Karl VI. errichtete Dreifaltigkeitssäule. Von öffentlichen Gebäuden sind zu erwähnen die Domkirche, 1670 erbaut, mit herrlicher Orgel; der noch unvollendete prachtvolle Mariendom, zu dem 1. Mai 1862 der Grundstein gelegt wurde; die 1726 erbaute Stadtpfarrkirche; die Kapuzinerkirche mit dem Marmorgrabmal des Grafen Montecuculi; die in einfachem, aber edelm Stil 1844 erbaute evang. Kirche; das Landhaus u. s. w. Im Schlosse, welches oberhalb der Brücke an einem Abhange hoch hervorragt, hatte Leopold I. seine Residenz, als die Türken 1683 Wien belagerten. Nachdem es längere Zeit als Strafanstalt gedient, wurde es 1851 in eine Kaserne verwandelt. Von Anstalten für Wissenschaft, Unterricht und Er-Ricöfl bestehen in L. ein Staatsgymnasium, ein bischöfl. Seminar, eine Oberrealschule, eine Lehrerbildungsanstalt, zwei Bürgerschulen, ein Taubstummeninstitut, eine Privat-Blinden-Anstalt u. s. w. Unter den Vereinen und Gesellschaften ist das vaterländische Museum Francisco-Carolinum von Bedeutung, gegründet 1833, mit Antiken⸗, Waffen- und Münzsammlung, Bibliothek, Archiv und naturhistor. Sammlungen. Die öffentliche Bibliothek zählt 32000 Bände mit 500 Inkunabeln. Die Zahl der gemeinnützigen Anstalten, darunter die große Landes-Irrenanstalt und die Gebäranstalt, ist groß. Die früher berühmte k. k. Ararial-Wollzeugmanufaktur, in einem sehr großen Gebäude, ist jetzt aufgehoben, dagegen wurde eine Tabakshauptfabrik errichtet, welche 800 Arbeiter beschäftigt. Die Stadt ist sehr gewerbfleißig; hervorragend ist der Bau eiserner Schiffe, die große Brauerei der Gebrüder Hatschekmit einer jährlichenProduktion von 38000hl Bier, fünf Buchdruckereien u. s. w. In der Nähe der Stadt sind in Kleinmünchen große industrielle Unternehmungen, worunter besonders eine große Kunstmühle. Der Handel ist sehr lebhaft; die Geschäfte in Wollzeug, Teppichen, Baumwollwaren, Tuch, Leinen, Zwirn und Eisen, sowie die Spedition auf der Donau sind bedeutend. Eine regelmäßige Dampfschiffahrt auf der Donau besteht aufwärts nach Passau und Regensburg, abwärts nach Wien. Die Festungswerke von L. bestanden in 32 sich gegenseitig deckenden Türmen, die der Erzherzog Maximilian von Este 1828 — 36 erbaute und von denen 23 am rechten, 9 am linken Ufer der Donau lagen; die höchste Stellung, der sog. Pöstlingsberg, hatte 5 zu einer Befestigung verbundene Türme. Diese Vesestigungen sind jetzt ganz aufgegeben. Von dem Pöstlingsberge, sowie vom Jägermaier und St. Magdalena aus genießt man herrlicher Aussichten. Im J. 1626 wurde die Stadt von den aufständischen Bauern unter Stephan Fadinger belagert und im Ssterreichischen Erbfolgekriege 1741 von den Bayern erobert. Am 17. Mai 1809 fand hier ein Gefecht zwischen einem österr. und einem württemberg.⸗sächs. Korps zum Vorteil des letztern statt. Vgl. Krackowizer, «Die Landeshauptstadt L.y (Linz 1875).