FeedMelville (Henry Dundas, Viscount)
GeschichteBrockhaus 1882

Melville (Henry Dundas, Viscount), brit. Staatsmann, geb. 28. April 1742 zu Edinburgh, widmete sich dem Rechtsstudium und erlangte seit 1763 als Sachwalter eine bedeutende Praxis. Die Regierung ernannte ihn 1775 zum Generalanwalt von Schottland; bald darauf wählte ihn seine Vaterstadt ins Unterhaus, wo er die verhängnisvolle Politik des Ministeriums North rücksichtlich der Kolonien mit großer Geschicklichkeit verteidigte. Nach Norths Rücktritt berief ihn der Hof 1782 in den Geheimen Rat, und einige Zeit darauf, unter der Verwaltung Shelburnes, wurde er Schatzmeister der Marine. Als Fox ins Ministerium trat, mußte er letztere Stelle aufgeben. Unter der Verwaltung William Pitts erhielt er das Schatzmeisteramt zurück und zugleich die Kontrolle der ind. Angelegenheiten. Beim Aus-⸗ bruch der Geisteskrankheit Georgs III. wußte er die Erhebung des Prinzen von Wales zum Regenten u verhindern und wurde dafür 1791 zum Staatssetretär für das Innere ernannt, welches Amt er 1794 mit dem Staatssekretariat des Kriegs vertauschte. Er legte zugleich mit Pitt 1801 sein Ministerium nieder, worauf er 1802 zum Baron Dunira und Viscount M. erhoben wurde. Bei dem Wiederbeginn des Kriegs trat er 1803 von neuem als erster Lord der Admiralität in die Verwaltung. Jedoch vom Unterhause der Verwendung öffentlicher Gelder zu fremden Zwecken angeklagt, mußte er seine Amter niederlegen, wurde jedoch freigesprochen. M. beschränkte sich hinfort auf die Wirksamkeit im Oberhause und starb 29. Mai 1811. Robert Saunders-Dundas, Viscount M., des vorigen einziger Sohn, geb. 14. März 1771, studierte auf der Hochschule zu Edinburgh, und trat 1802 für die Grafschaft Edinburgh ins Unterhaus. Im J. 1807 ward er Präsident des Indischen Amts, 1809 Obersekretär für Irland, aber schon 1810 von neuem ins Indische Amt berufen. Der Tod seines Vaters öffnete ihm das Oberhaus, worauf er 1812 im Kabinett Liverpool die Stelle des ersten Lords der Admiralität erhielt, die er bis 1827 und von neuem 1828 — 30 bekleidete. Er starb auf Melville-Castle 10. Juni 1851. Sein ältester Sohn, Sir Henry Dundas, geb. 25. Febr. 1801, hatte sich in den ind. Feldzügen ausgezeichnet und rückte 1860 zum Generallieutenant, 1868 zum General auf. Derselbe folgte als dritter Viscount M. und starb im Jan. 1876 kinderlos. Ihm folgte als vierter Viscount sein Bruder, Robert Dundas, geb. 24. Sept. 1803.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 608Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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