Elisabeth, Königin von England, geb. 7. Sept. 1533, war die Tochter Heinrichs VIII. und der Anna Boleyn. Während der Regierung ihrer Stiefschwester, der kath. Königin Maria, als Bastard betrachtet, als Protestantin verhaßt, rettete sie sich nur durch festes und kluges Benehmen vor dem zugedachten Untergange. Sie mußte sich öffentlich zum Katholizismus bekennen, lebte vom Hofe entfernt zu Teite in Buckinghamshire, wurde indessen doch der Teilnahme an einer Verschwörung gegen das Leben der Königin beschuldigt, in den Tower gesetzt und nach dem Schlosse Woodstock verwiesen. Nach kurzer Zeit von neuem angeklagt, fand sie einen Fürsprecher an Philipp II. von Spanien, dem Gemahl Marias, der fürchten mußte, daß durch die Beseitigung der Tochter der Anna Boleyn die engl. Krone mit dem Tode Maias an die Gemahlin Franz' II. von Frankreich, Maria Stuart, fallen würde. E. lebte hierauf, von prot. und kath. Freiern als mutmaßliche Thronerbin umgeben, in einer Art Gefangenschaft auf dem Schlosse Hatfield. Der Tod Marias 1558 verlieh ihr die Freiheit und, nach den von ihrem Vater getroffenen, aber von keinem Parlament bestätigten Bestimmungen, den Thron. Ihr Schwager, Philipp II. von Spanien, bewarb sich nun um ihre Hand: „ Manne ihn E., die sich mit diesem fanatischen Manne nicht vermählen mochte, durch Artigkeiten hinzuhalten, bis sie ihre Krone etwas befestigt hatte. In kurzem war es entschieden, daß England unter ihr der Reformation von neuem und endgültig gewonnen ward. Das Parlament, das sie unter Maria zum Bastard hatte erklären müssen, huldigte ihr im Jan. 1559, bestätigte ihrem Willen gemäß das königl. Supremat in kirchlichen Angelegenheiten und schuf in Gemeinschaft mit der Konvokation, d. h. der Versammlung des hohen Klerus, durch die Uniformitätsakte eine unverbrüchliche Form für Staat und Kirche Englands. Jeder Staatsdiener mußte diesen Supremateid leisten, und die bischöfl. Kirche ward mit verändertem Kultus zur Staatskirche erhoben. (S. Anglikanische Kirche.) Bereits 2. April 1559 endete E. durch den Frieden zu Cäteau-Cambrésis den Krieg mit Frankreich, in welchen England durch die Verbindung mit Spanien verwickelt worden war. Als Franz II. von t. nach dem Tode seines Vaters mit seiner Gemahlin Maria Stuart (s. d.) gegen die Bestimmungen dieses Friedens Titel und Wappen des Königreichs England annahm und damit das Erbrecht der Tochter Anna Boleyns für nichtig erklärte, unterstützte sie die in Schottland unter Führung des Predigers Knox ausgebrochenen kirchichen Unruhen. Den zahlreichen Bewerbungen um ihre Hand setzte sie beharrlichen Widerstand entgegen; auf einen dahin zielenden Antrag des Parlaments antwortete sie, daß sie eine Ehre darein setze, «die 1.WTord 900 Königin» zu bleiben. Ihren Günstling, Lord Robert Dudley, erhob sie indes zum Grafen Leicester und räumte ihm die Gewalt eines ersten Ministers ein. Der Antritt der schott. Regierung durch Maria Stuart bezeichnet die entscheidende Wendung in E.s Regierung. Seitdem hatte Philipp II. für seine Rekatholisierungspläne in der Schottenkönigin, die an ihren Ansprüchen auf die engl. Krone ebenso konsequent wie an ihrer kath. Politik festhielt, eine ergebene Gehilfin. Für E. war es aber eine persönliche und allgemein prot. Angelegenheit, wenn sie die Stellung ihrer Nebenbuhlerin auf alle Weise zu untergraben suchte. Es gelang vollkommen. Die eigenen Leidenschaften, der religiöse Gegensatz und die Machtbegier der Großen trieben Maria aus dem Lande, ihrer Rivalin in die Arme. Diese hielt sie in Haft, und als dieselbe unablässig auf die eigene Rettung und das Verderben der Königin sann, gab E. ihre Einwilligung in das Todesurteil, das die polit. Notwendigkeit und der Wille des prot. England forderten. Erst dadurch aber zog sie die Rachegedanken Roms und seiner Anhänger, die sich um Philipp II. scharten, auf sich. Schon 1578 hatte E. die Küsten Perus durch den kühnen Franz Drake verheeren lassen. In Voraussicht des Kriegs vernichtete derselbe 1586 eine große span. Transportflotte zu Cadiz, während gleichzeitig Thomas Cavendish 19 schwerbeladene Schiffe der Spanier in den südl. Meeren wegnahm. Am 19. Mai 1588 endlich ging die sog. spanische Armada (s. d.), der E. nur 28 Kriegsschiffe und 59 kleinere Fahrzeuge mit etwa 15000 Mann entgegenzustellen hatte, unter Segel. Dem Admiral Howard, unterstützt von Drake, Hawkins und Frobisher, vertraute E. die Führung ihrer kleinen Flotte an. Die Kühnheit und Gewandtheit dieser Männer vollendeten die von dem Element begonnene Zerstörung der span. Übermacht, und England und seine Königin sahen sich für immer von ihrem gefährlichsten Gegner befreit. Einen großen Schmerz hatte die Königin inzwischen durch den am 4. Sept. 1588 erfolgten Tod ihres an verdienstlosen Günstlings erfahren. schon sie bereits 55 Jahre zählte, ersetzte sie denselben durch seinen Stiefsohn, den 21jährigen Grafen von Essex. Als Heinrich IV., der 1589 die franz. Krone errungen, von der kath. Ligue und Philipp II. hart bedrängt wurde, unterstützte sie ihn mit Geld und Truppen und führte auch nach dem Separatfrieden Heinrichs den Krieg gegen Spanien fort, bis bald darauf Philipp II. (1598) starb. Ihr Lebensabend ward schwer umdüstert durch ihren Zerfall mit ihrem Liebling, Grafen Essex, den sie für seine trotzigen Selbständigkeitsgelüste und den Versuch einer Konspiration hinrichten ließ (25. Febr. 1601). In tiefe Schwermut darüber versunken, starb sie 24. März 1603. Vgl. Camden, «Annales rerum Anglicarum et Hibernicarum regnante Elisabetha (Lond. 1615); Lucy Aikin, «Memoirs of the court of Quéen E.v (Lond. 1818); Turner, Mistory of the reigus of Edward VI., Mary and E.»„ (2. Aufl., 4 Bde., Lond. 1829); Froude, «The reign of E. v (6 Bde., Lond. 1863 —70). ö