Meschhed (d. h. Grabmal), Hauptstadt der pers. Provinz Chorasan, Gouvernementssitz eines Mirza oder königl. Prinzen, 333 km nordwestlich von Herat, 894 müber dem Meere am Flusse Tedschend in einer getreide⸗„ obst⸗ und weinreichen Gegend gelegen, ist einer der gefeiertsten und besuchtesten Wallfahrtsorte (Durgah) des Reichs, das Mekka der Schiiten, wegen des hier befindlichen Grabes des Imäm Risa aus dem Hause Alis. Zugleich hat die Stadt eine wichtige Hochschule und ist einer der bedeutendsten Fabrikorte, sowie als Knotenpunkt verschiedener Karawanenstraßen ein sehr belebter Handelsplatz Persiens, der etwa 60000 E. zählt. Die ganze Stadt wird durch die Chiabane, eine breite, von Osten gegen Westen laufende, mit Platanen besetzte und von einem Kanal durchflossene Straße halbiert, die zahlreiche Läden und Karawanserais hat und äußerst belebt ist. Durch die sich quer erstreckende Hauptmoschee wird die Straße in zwei gleichlange Teile geteilt. Diese Moschee ist ein großartiges Bauwerk mit dem Marmorgrab des Imäm und hat eine der schönsten vergoldeten Kuppeln des Orients. Der Gewerbfleiß M.s und seiner Umgegend liefert ausgezeichnete Teppiche, Shawls nach Kaschmirmustern (Meschhedi), Filz, Seidenstoffe, schön gedruckte Baumwollzeuge, gerühmte Stahlklingen, Gold⸗ und Edelsteinarbeiten, Tropfsteingefäße und mancherlei andere Artikel. M. verarbeitet die Produkte Turans und ist der Markt für europ. Waren, welche von Westen her nach Turkomanien, Chiwa, Bokhara, nach Herat und Afghanistan gehen. Besonders Gegenstand des Handels sind raffinierter Zucker von Jesd her, Seiden⸗ und Baumwollzeuge. Glas, Porzellan. Steingut (über Teheran aus Europa bezogen), Kaschmirshawls, schwarze Schaffelle aus Bokhara, Asa foetida, die hier reichlich gebaut wird, Barek (aus Kamelhaar bereitete Zeuge), Pelzwerk, Kamele, Pferde u. s. w. Ursprünglich ein zum Distrikt Tüs gehöriges Dorf, erwarb M. seinen ruhmvollen Namen erst, als im 16. Jahrh. unter den Safiden das Grab des schiitischen Imäm Risä oder Ali Ben-Mofa al-Redhäs, des Schutzpatrons Persiens, aus der von Dschingis-Chan zerstörten ältern Hauptstadt Tus oder Thüs (26 km im Norden) hierher verlegt und durch Prachtbauten ausgezeichnet wurde.