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Sagen & MythenBrockhaus 1882

Mesmer (Franz, nach andern Friedr. Anton), der Begründer des Mesmerismus oder der Lehre vom sog. Tierischen Magnetismus (s. d.), geb. 23. Mai 1733 zu Ignanz bei Konstanz, besuchte das Priesterseminar zu Dillingen und studierte in Ingolstadt Theologie, dann Naturwissenschaften, ging hierauf nach Wien und promovierte 1766 mit der Dissertation De influxu planetarum in corpus humanumy. Seit 1771 begann er mit dem Pater Hell die Heilkraft des Mineralmagnets zu untersuchen und kam dadurch auf die Annahme einer dem Menschen innewohnenden ähnlichen Kraft, welche er tierischen Magnetismus nannte. Er veröffentlichte die neue Entdeckung in seinem «Sendschreiben an einen auswärtigen Arzt über die Magnetkurd (Wien 1775). M. wurde vom Kurfürsten von Bayern als Mitglied der Akademie nach München gerufen, kehrte aber nach Wien zurück, wo er seine magnetische Praxis fortsetzte. Da sich aber die Behauptung, er habe durch seine Methode ein blindes Mädchen sehend gemacht, als Betrug erwies, mußte er Wien verlassen und ging 1778 nach Paris, wo er den Magnetismus zur Modesache machte. Er versprach gegen eine Subskription, die seine Anhänger Deslon und Bergasse veranstalteten, und die ihm uber 340000 Livres einbrachte, den Subskribenten seine Heilmethode mitzuteilen, was jedoch niemals geschehen ist. Da M. durch seine Kuren den Tod mehrerer hochgestellter Personen herbeigeführt hatte, veranstaltete die Regierung eine Untersuchung des Verfahrens, wobei sich beide niedergesetzte Kommissionen zu Ungunsten M.s aussprachen. Dadurch verlor er in Paris sein Ansehen, ging nun nach England und von da nach Deutschland zurück, wo er 5. März 1815 zu Meersburg starb. Vgl. Sierke, Schwärmer und Schwindler zu Ende des 18. Jahrh.v (Lpz. 1874); Carpenter, Mesmerism and spiritualismo (Lond. 18777.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 645Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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