FeedDu Bois-Reymond (Emil)
TechnikBrockhaus 1882

Du Bois-Reymond (Emil), einer der hervorragendsten Physiologen der Gegenwart, geb. 7.Nov. 1818 zu Berlin, wo sein Vater Geh. Regierungsrat und Vorstand des Bureau für die neuenburger Angelegenheiten war, erhielt seine wissenschaftliche Vorbildung auf dem dortigen Französischen Gymnasium und begann Ostern 1837 das Studium der Theologie. Doch entsagte er letzterer bald, um sich den Naturwissenschaften zu widmen. Nachdem er sich im Sommer 1838 zu Bonn vorzugsweise mit Geologie beschäftigt, studierte er zu Berlin unter Leitung Johannes Müllers Anatomie und Physiologie. Bereits 1841 begann er seine Untersuchungen über tierische Elektricität, die er zum Hauptstudium seines Lebens machte. Als erste Früchte desselben erschienen die Abhandlung «Küber den sog. Padgendort und die elektromotorischen Fische (in Poggendorffs „Annalenv, Jahrg. 1843, Bd. 58) und die Doktordissertation „Quae apud veteres de piscibus electricis extant argumentav (Berl. 1843). Vollständig teilte D. jedoch die Ergebnisse seiner langjährigen Versuche erst später in seinem Hauptwerke, den «Untersuchungen über tierische Elektricität v (Bd. 1, Berl. 1848; Bd. 2, Abteil. 1, 1849; Abteil. 2, 1860) mit, in denen er über das elektrische Verhalten der Muskeln und Nerven, sowie die wichtigsten Vorgänge im menschlichen Körper ein ganz neues Licht verbreitete. Auf den Reisen, die er 1850 nach Paris, 1852, 1855 und 1866 nach London unternahm, wußte er seinen von franz. und engl. Gelehrten angezweifelten Entdeckungen Anerkennung zu verschaffen. Im J. 1851 wurde D. in die berliner Akademie der Wissenschaften erwählt, deren beständiger Sekretär er seit 1867 ist, und 1858 an Stelle seines Lehrers Johannes Müller zum ord. Professor der Physiologie an der Universität zu Berlin ernannt. D. ist einer der namhaftesten Vertreter der sog. physikalischen Richtung in der Physiologie. Nach seiner Ausicht hat die Physiologie die Bestimmung, die Physik und Chemie der Lebensvorgänge zu sein. Von seinen übrigen Schriften sind noch besonders hervorzuheben: 4Gedächtnisrede auf Johannes Müller » (Berl. 1860), «De fibrae muscularis reactione ut chemicis visa est acida v (Berl. 1859), 4Beschreibung einiger Vorrichtungen und Versuchsweisen zu elektro-physiol. Zwecken v (Berl. 1863), 4Voltaire in seiner Beziehung zur Naturwissenschafto (Berl. 1863), Küber Universitätseinrichtungen» (Berl. 1870), «liber den deutschen Krieg (Berl. 1870), 4Leibnizische Gedanken in der neuern Naturwissenschaft» (Berl. 1871), «liber die Grenzen des Naturerkennens» (Lpz. —.— «liber eine Akademie der deutschen Spracher (Berl. 1874), 4Gesammelte Abhandlungen zur allgemeinen Muskel⸗ und Nervenphysiko (2 Bde., Lpz. 1875—77), Darwin versus Galianis (Berl. 1876), „Der physiol. Unterricht sonst und jetzt o (Berl. 1878), „Kulturgeschichte und Naturwissenschafto (Lpz. 1878). Auch bearbeitete er Sachs' «Untersuchungen am Zitteraal (Gymnotes electricus)o Lpz. 1881). Von 1859 bis 1877 gab D. in Verndung mit Reichert das von Johannes Müller begründete Archiv für Anatomie und Physiologien walte seit 1877 auf eigene Hand das davon abgepaltene Archiv für Physiologies (Lpz.) heraus. Dubos (Jean Baptiste), franz. Asthetiker, geb. im Dez. 1670 zu Beauvais, studierte daselbst und zu Paris und wurde 1695 in dem Bureau der auswärtigen Angelegenheiten unter dem Minister Torcy angestellt, welcher ihm die Besorgung mehrerer wichtiger Geschäfte in Deutschland, Italien, Holland, besonders aber Unterhandlungen mit England übertrug. Auf seinen Reisen sammelte er Erfahrungen über die Künste, welche er in den Réflexions critiques sur la poësie, la peinture et la musiquen (2 Bde., Par. 1719; 6. Aufl., 3 Bde., 1755) aufstellte. Bei vielen falschen Behauptungen erweiterte er doch den engen Gesichtskreis der franz. Kritik. Die Grundlage seiner ästhetischen Theorie ist das Bedürfnis des Menschen, seine Gemütskräfte zu beschäftigen und seine Empfindungen in Thätigkeit zu setzen. Auch als histor. Schriftsteller hat er sich durch die «Histoire de la ligue de Cambraio (2 Bde., Par. 1721) und «Histoire eritique de ''établissement de la monarchie française dans les Gaules „ (2 Bde., Par. 1742) einen Namen erworben. Zur Belohnung seiner diplomatischen Dienstleistungen erhielt er 1723 eine geistliche Pfründe, nachdem er bereits 1720 beständiger Sekretär der Französischen Akademie geworden. Er starb zu Paris 23. März 1742.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 607Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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