Metallotherapie (grch.), die Behandlung gelähmter Körperteile durch Auflegen von Metallplatten. Schon bei den alten ägypt., griech. und arab. Ärzten finden sich Mitteilungen über den äußern Gebrauch von Metallen zu Heilzwecken; Anfang dieses Jahrhunderts brachte Wichmann in seinen Ideen zur Diagnostiko einzelne Angaben über denselben Gegenstand, die aber keine weitere Beachtung fanden. Nicht anders erging es dem pariser Arzt Burcg, der 1848 und 1849 in verschiedenen mediz. Zeitschriften, 1860 in einer an die Académie de médecine gerichteten Mitteilung über verschiedene Heilungen berichtete, die er bei nervenleidenden, insbesondere gelähmten Kranken durch das Auflegen verschiedener, je nach der Individualität ungleich wirksamer Metallplatten erzielt. Erst als Charcot die Angaben Burcqs mehrfach bestätigt hatte, erregten sie die Aufmerksamkeit der ärztlichen und der Laienkreise in hohem Grade, und die Société de biologie in Paris ernannte eigens zu dem Zweck eine Kommission (bestehend aus Charcot, Luys und Dumontpallier), um die angeführten Thatsachen wissenschaftlich zu prüfen. Diese Prüfung ergab Folgendes: Werden bei halbseitig gelähmten Kranken auf die Haut der betreffenden Teile, die völlig unempfindlich, blaß, kalt und muskelgelähmt sind, Metallstücke „von Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Blei oder Zink aufgelegt, so empfinden die Kranken, je nach der individuellen Disposition, bald bei dem einen, bald bei dem andern Metall, im Umkreise der Applikationsstelle, Ameisenkriechen und ein Gefühl von Wärme, und bald darauf läßt sich auch objektiv an derselben Stelle Röte, Wiederkehr der Empfindung, thermometrisch nachweisbare Steigerung der Temperatur sowie Zunahme der Muskelkraft konstatieren. Dabei verliert merkwürdigerweise die genau symmetrische Stelle der gesunden Körperhälfte genau so viel an allgemeiner Reaktion, als die kranke gewonnen, sodaß demnach eine Übertragung der Empfindung (sog. Transfert, Transfert de la sensibilité) von einer Körperhälfte nach der entsprechenden Stelle der andern Seite hin stattfindet. Auch bei Lähmungen der Sinnesorgane (Augen, Ohren u. s. w.) wird der gleiche Erfolg erzielt. Die bequemste Anwendung der M. besteht darin, daß man das in jedem einzelnen 2⁷ auf seine Wirksamkeit erst zu prüfende Metall in Form von Platten (mit einer Ose, um ein Band durchzuziehen, sog. Armature de Burcq) ein bis zwei Stunden lang auf der gelähmten Hautstelle liegen läßt, bis subjektive Sensationen, wie Kriebeln, Ziehen, Brennen u. s. w. eintreten. Die durch Metallauflegung wieder erlangte Empfindlichkeit pflegt übrigens in der Regel nach einigen Stunden wieder allmählich zu verschwinden, doch ist auch in einzelnen Fällen eine dauernde Besserung der betreffenden Lähmungserscheinungen erreicht worden. Man sucht die Wirkung der M. damit zu erklären, daß durch die Berührung des Metalls mit der Haut elkektrische Ströme entstehen, die übrigens auch Wansferte nachweisbar sind; nur bezüglich des Transferts fehlt es bis jetzt an jeder irgendwie befriedigenden Erklärung; über die Heilerfolge und die einzelnen Indikationen der M. müssen erst noch weitere Beobachtungen entscheiden. [Oxyde.