Meteorsteine, auch Mondsteine, Meteoriten, Meteorolithen, Aérolithen oder Uranolithen, nennt man steinartige Massen, die meistens beim Zerplatzen von Feuerkugeln auf die Erde geschleudert werden. Die Feuerkugeln, auch Boliden genannt, erscheinen plötzlich in verschiedener Größe, oft mit einem scheinbaren Durchmesser, wie der Vollmond, von mehr als einem halben Grade, und bewegen sich in der Regel mit enormer Geschwindigkeit, die gewöhnlich die der Erde in ihrer Bahn noch übertrifft. Sie erscheinen öfters in prächtigen Farben, hinterlassen einen lebhaft leuchtenden Schweif, der zuweilen längere Zeit, bis zu einer Minute hin, sichtbar sein kann. Ssters zerplatzen sie nach kurzer Sichtbarkeit mit heftigem Knalle und besonders des Nachts mit lebhafter Lichterscheinung; am 1958 hört man meistens nur starken Knall. Das Zerplatzen geschieht gewöhnlich in großer Höhe, und die Stücke, deren Zahl hin und wieder auf mehrere Tausende geht, fallen noch heiß, mit einer dünnen schwarzen Rinde überzogen, mit solcher Gewalt gegen die Erde herab, daß sie oft metertief eindringen. Die alten Schriftsteller erwähnen dieser Steinfälle oft. Der berühmteste wirkliche Steinfall aus dem Altertum ist der von Aigos-Potamos in Thrazien 476 v. Chr. Nach Plinius hatte der Stein die Größe eines Wagens und eine Farbe, als ob er angebrannt wäre. Aus Deutschland wird das früheste Phänomen dieser Art aus Sachsen berichtet, wo im J. 823 Menschen und Vieh erschlagen und 35 Dörfer vom Feuer verzehrt sein sollen. Auch meint man, daß der schwarze Stein der Kaaba in Mekka ein M. sein soll. Von neuern Steinfällen ist der bei Aigli bekannt, wo 1803 gegen 2000 Steine, von 8 g bis 9Rg Gewicht, gefallen sind. Steine von Ensisheim und Verona wogen 100—150 kg, und ein Steinfall vom 9. Juli 1866 in Ungarn bei Kuyahinya brachte einen Stein von 280 kg Gewicht. Auch merkwürdig sind, außer den M., die herabfallenden kleinern oder größern Massen gediegenen Eisens, sog. Meteoreisen. Pallas verschaffte sich auf seinen Reisen in Sibirien 1772 eine Masse, welche 800 kg wog. Die Bestandteile aller M. sind in der Hauptsache ziemlich dieselben, vorzüglich Eisen, Nickel, Kobalt, Phosphor, geringe Mengen von Chrom und Manganoxyd, Schwesel, Kalk, Talkerde, Thon, zuweilen auch Natron, Kali, Wasser, Kohle, Salzsäure, Kupfer und Zinn. Das spezisische Gewicht ist meist zwischen 6 und 8; doch gibt es auch leichtere, selbst vom spezifischen Gewicht 1,3. über den Ursprung der M. hat man mehrere Hypothesen aufgestellt, nach denen sie tellurischer, atmosphärischer, lunarischer oder kosmischer Natur sein sollen. Einige Physiker im 18. Jahrh., namentlich die Gebrüder Deluc, hielten sie für Auswürflinge von Erdvulkanen, was teils wegen ihrer großen Verschiedenheit von vulkanischen Produkten, teils wegen der zum Emporschleudern solcher Massen in solche Weiten ungenügenden Wurfkraft der Vulkane unstatthaft ist. Andere Physiker hielten sie für Gebilde, die sich in der Atmosphäre durch unbekannte chem. Prozesse aus den von der Erde aufgestiegenen mineralischen Dämpfen erzeugen. Dagegen spricht aber namentlich die große Höhe, in der man die Feuerkugeln erblickt und den Ursprung der M. suchen muß, und besonders die große Geschwindigkeit, mit welcher sie sich bewegen. Olbers sprach 1793 die Idee aus, daß Auswürflinge von Mondvulkanen auf die Erde gelangen könnten, und wies die Möglichkeit nach. Ihm stimmte Laplace 1802 bei, und mehrere andere Geometer, wie Legendre, Plana, Drobisch, zeigten gleichfalls durch Rechnung die Möglichkeit jenes Ereignisses. Die Rechnung wies nach, daß eine vom Monde mit einer anfänglichen Geschwindigkeit von 2500 mein der Sekunde nach der Erde zu geschleuderte Masse nicht wieder zum Monde zurückkehren, sondern infolge der starken Anziehung der Erde möglicherweise in einem Zeitraume von 70 bis 80 Stunden auf letztere gelangen könne und mit einer Geschwindigkeit von etwa 11 km in der Sekunde ankommen werde. Unter andern nahm Berzelius den Lafisa Ursprung deshalb an, weil die M. metallisches Eisen enthalten, das sich als solches an einem Orte nicht halten könne, wo Wasser sei, welches man dem Monde absprechen will. Die lunarische Hypothese ist aber schwer haltbar, weil das höchst seltene Zusammentreffen günstiger Bedingungen, den vom Monde aus geworfenen Körper so in die Nähe der Erde zu bringen, daß er von ihr herabgezogen werde, mit der Häufigkeit der Meteorsteinfälle nicht vereinbar ist. Chladni (zuerst 1819), später viele andere, besonders A. von Humboldt, nahmen an, daß die M. kosmischen Ursprungs wären und aus dem großen Weltraume kämen; es seien Massen, die sich entweder als Bruchstücke eines größern Weltkörpers oder als selbständige kleine planetarische Körper, im Weltraume bewegen und auf die Erde fallen, wenn sie der Erde zu nahe kommen und von dieser angezogen werden. Sammlungen von M. befinden sich unter anderm in Wien und Berlin. Vgl. Chladni, Küber Feuermeteorer (Wien 1819); Rose, „Beschreibung und Einteilung der Meteoriteno (Berl. 1864); Buchner, «Die Feuermeteorey (Gießen 1859); Danabré, EExpériences synthétiques relatives aux météoritesb (Par. 1868); Rammelsberg, «Die chem. Natur der Meteoritenv (Berl. 1870); derselbe, aüber die Meteoriten und ihre Beziehung zur Erdey (Berl. 1872); Valentiner, „Die Kometen und Meteore in allgemein faßlicher Form dargestellto (Opz. 1884) und die Monographien von Haidinger in den Berichten der wiener Akademie. Verzeichnisse sind von Arago, Quetelet, Biot ((Chines. Beobachtungeno), Coulvier Gravier, von Bogusflawski u. a. geliefert.