Methodik oder Met hodologie heißt die Anweisung zur korrekten und zweckmäßigen Behandlung irgend einer Aufgabe, z. B. zur Erlernung oder zum Vortrag einer Wissenschaft, zur Ausführung eines Geschäfts u. s. w. So spricht man von einer Methodologie des akademischen Studiums, der Medizin u. s. w. (S. Hodegetik.) Eine allgemeine wissenschaftliche Methodologie ist die Aufgabe der sog. angewandten Logik, welche nur durch ein spezielles Eingehen in den Geist aller einzelnen Wissenschaften würde gelöst werden können. Den ersten berühmten Versuch einer allgemeinen M. machte im Mittelalter Raimundus Lullus in seiner 4(Großen Kunsty (ars magna Lulli). Sie war aber mehr eine Anleitung zum Disputieren als zur wissenschaftlichen Forschung. Einflußreicher wurde die M., welche Bacon (s. d.) unter dem Titel eines Novum organon scientiarum (Lond 1620) bekannt machte, und worin er mit Bekämpfung des Aristoteles das induktorische Verfahren als das für alle Wissenschaften einzig gültige durchzusetzen strebte. Im schroffen Gegensatz zu diesem Unternehmen entwarfen Spinoza und Chr. Wolf einen Gesamtplan aller Wissenschaften nach mathematischer M., worin sich alle Grundwahrheiten streng nach Definitionen, Axiomen, Theoremen, Corollarien und Scholien gliederten. Kants Vernunftkritik ist insofern ebenfalls eine wissenschaftliche M. zu nennen, als sie der folgenden Spekulation die Bahn vorgezeichnet hat bei ihrem Streben, den allgemeinen Gliedbau der Wissenschaften auf dialektischer Grundlage aufzurichten. Am entschiedensten und konsequentesten ist dieses Streben bei Hegel zur Erfüllung gelangt. (S. Dialektik.) tethodisten heißen die Anhänger einer in England im Gegensatz gegen die Staatskirche entstandenen, jetzt in England und Nordamerika besonders zahlreichen, aber in ihren Missionen fast über die ganze Erde verbreiteten Religionsgesellschaft. Begründet wurde sie durch die beiden Brüder John und Charles Wesley (s. d.), welche als Studenten zu Oxford 1729 mit Morgan, Kirkman und andern Genossen einen Verein gründeten, der sich gemeinsames Lesen der Schrift und Gebet, häufige Abendmahlsfeier, sowie Verkündigung des Evangeliums unter Kranken und Armen zur Aufgabe setzte. Die Gegner nannten sie spottweise M. und ihre Richtung Methodismus, weil sie die Frömmigkeit nach der Methode betrieben. Sie nahmen die Bezeichnung an und brachten sie zu Ehren. Nachdem 1732 sich George Whitefield ihnen angeschlossen hatte, begannen die Missionsreisen. Die Brüder Wesley reisten 1735 nach Amerika, um in Neugeorgia den Kolonisten zu predigen und die Indianer zu bekehren. Nach Europa zurückgekehrt (1738), sammelten die beiden Brüder Wesley in Fetterlane, alsdann in Gloucester, Orford und London die ersten, in der Richtung der Herrnhuter wirkenden Vereine von Gesinnungsgenossen und begründeten eigene Gebethäuser. Aber gleich in den ersten Jahren wurde der Methodismus durch innere Spaltung bedroht. Zuerst trennte sich Wesley von den Herrnhutern in Fetterlane, wegen Differenzen über die Unverlierbarkeit des Heilsbesitzes (1740); ein Jahr später sonderte sich Whitefield, welcher in der Prädestinationslehre calvinisch dachte, von dem arminianisch gesinnten Wesley ab. Der calvinische Zweig der M. fand an der Gräfin Huntingdon, ader Methodistenkönigino, seine geistliche Führerin. Sie gründete, im engsten Zusammenhange mit der engl. Staatskirche und von den bischöfl. Geistlichen unterstützt, zahlreiche Kapellen und ein eigenes Predigerseminar zu Trevecca in Wales (1768). Dagegen wurde Wesley immer entschiedener auf die Bahn einer selbständigen Gemeindegründung getrieben. Als die Arbeit wuchs, gesellte er sich die jährliche Konferenz zu, welche zum ersten mal 1744 gehalten wurde. Diese Konferenz, welche später aus 100 Predigern bestand, wurde nach Wesleys Tode die kirchliche Oberbehörde der M., mit fast unein geschränkten Befugnissen in Sachen der Lehre, kirch lichen Gesetzgebung, Verwaltung und Disciplin. Die strenge hierarchische Gliederung ermöglicht die ge naueste Beaufsichtigung aller einzelnen Gemeinde glieder; denmne W. Listen, welche über sie geführ wurden, genaue Berichte, welche die Kassenführer allwöchentlich zu erstatten hatten, und eigene Be scheinigungen, welche den Gläubigen über ihrer Seelenzustand ausgestellt wurden (society tickets) vervollständigten das System strengster seelsorg. licher Uberwachung. Hierzu kommen noch die täg: lichen Predigten und Gebetsstunden, die wöchentlichen Klassenversammlungen, die monatlichen Wachnächte, die vierteljährlich mit Wasser und Brot gefeierten Liebesmahle, die außerordentlichen Gebetsversammlungen (prayer meetings) und das seit 1755 eingeführte, später am ersten Sonntage nach Neujahr begangene Fest der Bundeserneuerung (renewal of the covenant). Viermal im Jahre wurde ein Festtag eingerichtet: am letzten Freitage in den Monaten Februar, Mai, August und November. Aufs sorgfältigste hielt Wesley jeden Konflikt mit dem öffentlichen Gottesdienst fern und mahnte die Seinen, die kirchlichen Sakramente zu suchen. Aber notgedrungen ließ er erst einen Laienprediger durch einen griech. Bischof ordinieren und ordinierte dann selbst, obwohl als einfacher Pfarrer nach der Verfassung der bischöfl. Kirche dazu nicht befugt, Prediger und für die Amerikaner sogar einen Superintendenten. Diese Ordination entschied den Bruch. Während sein Bruder Charles aus Schmerz über diese Separation sich ganz von der methodistischen Sache zurückzog, stellte John Wesley 1785 seine Kapellen und Prediger unter den Schutz der für die Dissenters gültigen Toleranzakte, obwohl er es mit den Seinen beharrlich ablehnte, zu den Dissenters zu gehören. Im J. 1795 wurde auch den von der Konferenz bevollmächtigten Predigern die Verwaltung der Sakramente gestattet, jedoch nicht an denselben Sonntagen wie in der Staatskirche und streng nach anglikan. Liturgie. Auch in der Lehre waren allmählich Differenzen von der Aullnb der Kirche luter harle ᷓ. Unter dem Einfluß der Herrnhuter hatte Wesley die Lehre von der Rechtfertigung aus dem Glauben mehr im Lutherschen als im Calvinischen Sinn gefaßt. Auch behauptet der Methodismus die Möglichkeit sündloser Vollkommenheit der Bekehrten schon auf Erden. Wesley selbst sah sich genötigt, die 39 Artikel der Staatskirche auf 25 zu reduzieren und nur in dieser modifizierten Gestalt zum Glaubensgesetz der M. zu erheben. In der Liturgie schloß er sich so eng als möglich an den anglikan. Ritus an. Ein Jahr vor Wesleys Tode (1790) war der Methodismus schon über ganz England verbreitet und hatte auch in Schottland, Irland, Westindien und Britisch-Amerika festen Fuß gefaßt. Nach Wesleys Tode ging die Leitung des Ganzen in die Hände der Konferenz über, gemäß der Erklärungsurkunde (deed of declaration) vom 28. Febr. 1784. Von der Veröffentlichung der Erklärungsurkunde an datieren die innern Kämpfe und Secessionen, deren gemeinsame Tendenz dahin gerichtet ist, die Allmacht der Konferenz, sei es zu Gunsten der Prediger, sei es im Interesse des anfangs ganz ausgeschlossenen Laienelements, zu beschränken. So sonderten sich 1797 die Neue