Methodismus besteht vornehmlich in seinem gewaltigen Einflusse auf die religiöse Erweckung der niedern Volksklassen, besonders in den größern Städten. Freilich befördert aber sein Gewissenszwang und sein Gewichtlegen auf äußere Merkmale der Bekehrung bald eine bloß äußerliche, bald eine überspannte und schwärmerische Frömmigkeit. Große Verdienste haben sich die M. um Werke christl. Humanität, Sklavenemancipation, Armen- und Krankenpflege, Sorge für Verwahrkoste und Gefallene, Bibel- und Traktatenverbreitung etc. erworben. Noch zu Wesleys Lebzeiten wurde, namentlich durch Coke, auch die Heidenmission in Angriff genommen, welchebesonders unter den Sklaven Westindiens, auf den Südsee-Inseln und in Australien erfolgreich wirkt. Im J. 1874 gab es 1945 studierte Geistliche, 13949«lokales Prediger, 371685 Mitglieder und 25619 Probemitglieder; ihre Kapellen faßten 1765901 Personen; die fsschulen schulen wurden von 700000, die Alltagsschulen von 180000 Kindern besucht; die auswärtige Mission zählt 73700 Mitglieder und 68221 Schüler. Eine eigentümliche Entwickelung hat der Methodismus in Nordamerika genommen. Die erste eigentliche Methodistengemeinde wurde trotz der frühern Wirksamkeit der beiden Wesley und Whitefields erst 1766 in Neuyork durch einen Laienprediger aus Irland, Philipp Embury, gegründet und zwei Jahre später die erste Kirche gebaut. Als das polit. Band mit dem Mutterlande gelöst war, drängte man auch auf selbständige Konstituierung der methodistischen Kirche. So entstand die bischöft. Methodistenkirche, welche bald zahlreiche Anhänger gewann und alle andern Denominationen durch rastlose Bekehrungsthätigkeit überflügelte. Weit erfolgreicher als durch ihre in geräuschvollen öffentlichen Versammlungen sich vollziehenden plößlichen Bekehrungen wirkten die amerikanischen M. durch ihre geordnete Seelenpflege, ihre regelmäßigen Gebetsstunden und Klassenversammlungen. Die Indianermission war bis auf die neueste Zeit, wo die Katholiken Konkurrenz machen, fast ausschließlich in den Händen der M. Der Streit über die Sklaverei hat schon 1844 in die bischöfl. Methodistenkirche eine Spaltung gebracht. Seit diesem Jahre zerfällt dieselbe in zwei getrennte Kirchenwesen: Methodist Episcopal Church North und die Methodist Episcopal Church South, von denen jene die Sklaverei verwirft, diese sie billigt. Im J. 1874 zählte die bischöfl. Methodistenkirche beider Abteilungen zusammen 2629837 vollberechtigte Mitglieder und 1278559 Sonntagsschüler. Außerdem bestehen in Amerika noch die Methodist Protestant Church und die Wesleyan Methodist Connexion, welche beide die bischöfl. Verfassung verwerfen, jede mit etwa 20000; die nur aus Nem bestehende African Methodist Episcopal hurch mit 35000, die überwiegend aus Deutschen gebildete Erangelical Association mit un-Wilh. 22000 Mitgliedern, endlich die von Fr. ilh. Rast aus Württemberg gegründete Deutsche Bischöfliche Methodistenlirche, welche wieder in zwei Gemeinschaften zerfällt, in die Evangelische Gemeinschaft oder Albrechtsbrüder und in die Gemeinschaftlichen Brüder oder Otterbeinerianer. Eine besondere Aufmerksamkeit haben die bischöflichen M. Amerikas neuerdings auf die Bekehrung der Alten Welt, besonders Deutschlands und der Schweiz, gerichtet. Im J. 1849 kam der erste bischöfl. Methodistenprediger nach Bremen, wo gegenwärtig die Hauptstation der Partei, die Bücherniederlagen und die Expeditionen ihrer kirchlichen Zeitschriften für Deutschland sich befinden. Von dort aus wurde Hamburg und das Oldenburgische missioniert. In Süddeutschland sind die wichtigsten Stationen Frankfurt a. M., Heilbronn und Ludwigsburg, in der Schweiz namentlich Zürich. Im J. 1873 zählte man in Deutschland und der Schweiz in acht Bezirken 27 Prediger, 47 Gemeinden und (im ganzen) 6000 Mitglieder. Frankreich zählt etwa 12000, Canada über 80000, Australien über 60000 vollberechtigte Mitglieder. In der franz. Schweiz, wo sie Momiers (s. d.) heißen, sind sie besonders im Kanton Waadt und in Genf verbreitet. Reiche statist. Notizen über die M. gibt das zu London erscheinende Wesleyan methodist connexional record and yearbooky. Vgl. auch Southey, The life of J. Wesley and the rise and progress of Methodismo (2. Aufl., 2 Bde., Lond. 1820; deutsch von er 1828); Watson, Observatians on Southey's liter (4. Aufl., Lond. 1833; deutsch von Eckenstein, Franlf. a. M. 1839); Jackson, (Ge⸗ —— des Methodismuso (deutsch von Kuntze, Berl. 1840); Taylor, Wesley and Methodismo (Lond. 1851); Smith, «History of Wesleyan Methodismo (3 Bde., Lond. 1857—62); Jakoby, Handbuch des Methodismuso (Brem. 1853); Porter, The revised compendium of Methodismy (Reuyork 1875) derselbe, „A comprehensive history of Methodismo (Cincinnati 1876); Jüngst,«Der Methodismus in Deutschlandve2.Aufl., Gotha 1877); Lecky, (Entstehungsgeschichte und Charalteristik des Methodismus (aus dem Englischen von Löwe, 1880); Williams, (The constitution and polity of Wesleyan Methodismo (1881); Gorrie, «Hlistory of the methodist episcopal church in the United States and Canada (1881).