FeedMission Cat.
ReligionBrockhaus 1882

Mission Cat., d. i. Sendung), heißt vorzugsweise die durch ausgesandte Prediger (Missionare) ausgeübte Thätigkeit zur Gewinnung nicht christl. Völker für die christl. Religion. Genauer bezeichnet man diese Thätigkeit als Außere Mission im Unterschied von der Innern Mission (s. d.), welche sich die Aufgabe stellt, die äußerlich der christl. Kirche angehörenden, aber ihr innerlich entfremdeten Kreise zu lebendiger Religiosität zurückzuführen. Die Geschichte der M. fällt zusammen mit der Geschichte der Ausbreitung des Christentums. Am eifrigsten ward die M. von der ältesten christl. Kirche betrieben, welche dem Vorbilde der Apostel nacheifernd, im Laufe dreier + das ganze röm. Reich mit dem Cvangelium erfüllte. Später, im 7. Jahrh., ragt besonders die brit. Kirche durch eifrige Thätigkeit für die M. hervor. Nachdem Europa christianisiert war und durch die Herrschaft des Islam in den angrenzenden Teilen Asiens und Afrikas die Missionsthätigkeit in diesen Gegenden gehindert blieb, ruhte mehrere Jahrhunderte hindurch die M. fast ganz. Erst die großen Entdeckungen im 15. Jahrh. gaben der M. einen neuen Anstoß. Die Reformationszeit nahm vorübergehend fast alles Interesse für sich in Anspruch. Hernach aber war jede der gesonderten Kirchen darauf bedacht, auch auf diesem Gebiet die andern zu überflügeln. Seit dem 13. Jahrh. lag die M. in der Hand verschiedener Orden, besonders der Bettelmönche. Ihnen wurden für die Missionsthätigkeit gewisse Fakultäten gestattet, d. h. ihnen selbst die Beobachtung mancher Ordensregeln erlassen und den von ihnen Bekehrten keine strenge Beobachtung aller kirchlichen Vorschriften auferlegt. Als Objekt der Missionsthätigkeit wurden nicht bloß alle Heiden, sondern alle Akatholiken, also auch alle Ketzer und Schismatiker angesehen. Mit besonderm Eifer haben sich die Jesuiten der M. gewidmet und vor allem durch weitgehende Nachgiebigkeit an die vorgefundenen Vorstellungen zum Teil glänzende äußere Erfolge erzielt. Papst Gregor XV. setzte am 21. Juni 1622 als oberste leitende Instanz für alle Missionsangelegenheiten die «Congregatio de propaganda lide ein. Die Stiftungsbulle unterstellt ihr ebenso gut die M. unter den Protestanten als diejenige unter den Heiden. (S. Propagand a.) Besonders glänzende Erfolge hatten die Jesuiten in China, wo es am Ende des 17. Jahrh. gegen 300000 Christen gegeben haben soll, aber 1723 das Christentum verboten wurde. In Afrika und Asien ging die kath. Heidenmission fast überall stark zurück, als Portugal und Spanien durch die Niederlande und England in der Herrschaft zur See verdrängt wurden und hat sich erst in unserm Jahrhundert im Gegensatz gegen die erstarkende prot. M. wieder zu kräftiger Thätigkeit aufgerafft. In Amerika ist Canada und Mittelamerika das wichtigste Gebiet der kath. Kirche. Vgl. Die katholischen M.» (Zeitschrift, jährlich 12 Hefte, Freiburg i. Br.); Hahn, «Geschichte der katholischen M. » (5 Bde., Köln 1857—63); Kalkar, «Geschichte der katholischen M. »v (deutsch, Erlangen 1867); Warneck, „Prot. Beleuchtung der röm. Angriffe auf die evang. Heidenmission »(2 Tle., Gütersloh 1884—85). Auf prot. Seite wurde die erste nennenswerte M. im Anfang des 18. Jahrh. von Dänemark aus unternommen, wesentlich unterstützt von Deutschland aus und zwar durch die Freunde des Halleschen Pietismus. König Friedrich IV. beschloß, den Heiden in seinen ostind. Besitzungen (Trankebar) das Cvangelium verkündigen zu lassen. Durch seinen Hofprediger Lütkens gewann er für dies Werk zwei Kandidaten der Theologie aus den Kreisen des Pietismus, Bartholomäus Ziegenbalg und Heinrich Plütschau, welche Nov. 1705 sich nach Ostindien einschifften. Der König von Dänemark setzte auch 1714 zur Leitung der M. ein Missionskollegiumo ein, aber der eigentliche Träger der Sache war doch Aug. Herm. Francke in Halle. Er gab die Missionsnachrichten heraus, sammelte bedeutende Summen und sorgte vor allem für die nötigen Männer. 21 Anfang des 19. Jahrh. ging diese M. in engl. Hände über. Auch in den dän. Gebieten Lappland und Grönland wurde die M. begonnen. Dort machte sich vor allem Isaak Olsen (1716 —22), hier Hans Egede (1721—36) um die Bekehrung der Heiden verdient. Vgl. G. Plitt, „Kurze Geschichte der lutherischen M.» (Erlangen 1871). Bald nachher begann die Brüdergemeine ihre M. Im Aug. 1732 gingen Leopold Dober und David Nitzschmann als die ersten Missionare nach St. Thomas, Jan. 1733 die beiden Vettern Matthias und Christian Stach nach Grönland. Bis auf den heutigen Tag hat die Brüdergemeine mit großem Eifer und bedeutenden Opfern die M. betrieben, besonders auf den westindischen Inseln, in Grönland und Labrador, auf Neuseeland. Vgl. Römer, «Das Missionswerk der evang. Brüdergemeine „ (2. Aufl., Gnadau 1881). Gegen das Ende des 18. und im 19. Jahrh. erwachte der Eifer für die M. aufs neue und zwar ging die Bewegung von England aus, wo zuerst die Methodisten (s. d.) das Bekehrungswerk mit Energie in Angriff nahmen. Am 2. Okt. 1792 wurde die 4Baptistenmissionsgesellschafto begründet, welche in Nordindien, Jamaica, Westafrika, China und Japan arbeitete. Am 21. Sept. 1795 entstand die Londoner Missionsgesellschafte, welche mit der Zeit einen entschieden independentistischen Charakter annahm. Die Episkopalen gründeten am 12. April 1799 die Kirchliche Missionsgesellschafte, welche das Missionsseminar in Islington ins Leben rief. Die seit 1701 bestehende «Gesellschaft für Ausbreitung des Evangeliums» nahm im Anfang des 19. Jahrh. einen neuen Aufschwung und vertritt die hochkirchliche oder ritualistische Richtung. Unter den methodistischen Missionsgesellschaften ragt die Wesleyanische (seit 1814) hervor. In Schottland bestanden seit 1796 die «Glasgowero und die „Schottisches Missionsgesellschaft, die jedoch bald eingingen, nachdem 1824 die M. zur Sache der Staatskirche gemacht wurde. Als 1843 die Schottische Freikirche sich bildete, ging dieser Riß auch durch die M., aber beide, die Staatskirche und die Freikirche, haben seitdem in ihrem Eifer für die M. gewetteifert. In Nordamerika entstand am 29. Juni 1810 die Große Amerikanische Missionsgesellschaft. Dieselbe ist seit 1837 ausschließlich kongregationalistisch. Die Baptisten gründeten 1814, die Presbyterianer 1837, die Methodisten 1819 und später mehrere selbständige Gesellschaften. Im ganzen bestehen in Amerika 17 Missionsgesellschaften. In Rotterdam entstand 1797 die Riederländische Missionsgesellschafte: sie ist noch jetzt die bedeutendste der 9 Gesellschaften, die in Holland die M. betreiben. In Deutschland gründete der Prediger Jänicke an der Bethlehemskirche in Berlin im J. 1800 mit eigenen Kräften eine Missionsschule, welche etwa 80 Zöglinge in den Dienst anderer Gesellschaften stellte. Nach seinem Tode (1827) übernahm sie die (Berliner Missionsgesellschafto (seit 1824). Diese wirbt Missionsfreunde in der reform., wie in der luth. und unierten Kirche, bildet und verpflichtet dagegen ihre Zöglinge im luth. Bekenntnis. In Basel entstand 1815 im Zusammenhang mit der „Deutschen Christentumsgesellschafto (seit 1780) eine Missionsschule, an welche sich 1822 eine Missionsgesellschaft anschloß. Im Anschluß an Basel entstand 1818 ein Missionsverein in Barmen, welcher sich 1828 erweiterte und als «Rheinische Missionsgesellschafts selbständig machte. Insofern ist sie ihrem Ursprung treu geblieben, als sie ebenso wie Basel jede konfessionelle Schroffheit vermeidet. Die Norddeutsche Missionsgesellschafto (seit 1836) wurde durch innere Streitigkeiten beunruhigt, bis die konfessionell luth. Elemente ausschieden. Dem Bedürfnis dieser Richtung dient die Evangelischlutherische Missionsgesellschafto zu Dresden (seit 1836), seit 1846 in Leipzig. Dagegen war die wachsende Betonung der luth. Konfession in der berl. Gesellschaft der Grund, weshalb Goßner 1836 austrat und eine eigene M. begründete. In Hermannsburg (s. d.) begründete der Pastor Ludwig Harms 1849 eine Missionsanstalt. Ebenfalls in streng luth. Geist wird die brecklumer M. (seit 1877) geleitet. Pfingsten 1884 wurde der Allgemeine evangelisch-protestantische Missionsverein „ ins Leben gerufen. Derselbe stellt sich die Aufgabe, das Cvangelium zu predigen, abgesehen von den spätern konfessionellen Ausprägungen, zurückgehend auf die einfache Ausprägung der christl. Wahrheit in der Heiligen Schrift. In Frankreich besteht seit 1824 eine Evangelische Missionsgesellschafto, welche von den Evangelischen der verschiedenen Denominationen gebildet wird. Norwegen und Schweden zeichnen sich aus durch großen Eifer für die M. Im J. 1879 bestanden innerhalb des Protestantismus 66 Missionsgesellschaften, welche 2749 Missionare unterhielten und über eine Einnahme von rund 29 Mill. Mark verfügten. Vgl. 4Allgemeine Missionszeitschrifto, herausg. von Warneck; G. Warneck, «Abriß einer Geschichte der protestantischen M. von der Reformation bis auf die Gegenwart (Lpz. 1882). lund Missionspriester.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 766Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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