FeedMeyerheim (Friedr. Eduard)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Meyerheim (Friedr. Eduard), vorzüglicher deutscher Genremaler, geb. 7. Jan. 1808 in Danzig, erhielt den ersten Kunstunterricht von seinem Vater und versuchte sich zuerst in landschaftlichen Gegenständen und Perspektiven. Seit 1830 besuchte er die Akademie in Berlin. Seine Verhältnisse zwangen ihn, nebenher aus dem Lithographieren einen Erwerb zu machen, und so erschien von ihm ein Heft mit danziger Ansichten und ein größeres Werk, welches die Denkmäler der Altmark enthält, und das er im Verein mit Kugler und Strack herausgab. Von 1834 an erregten seine Genrebilder die Aufmerksamkeit und bald die Bewunderung der Kunstfreunde. Eins dieser ersten Bilder ist der blinde Bettler, ein anderes das Scheibenschießen westfäl. Bauern. Die Altenburger im Korn, eine Ernte, hat er später selbst radiert. M. malte vornehmlich Dorfgeschichten. Die einfachsten Zustände des norddeutschen, meist bäuerlichen Volkslebens, Scenen aus dem Werktags⸗ und Feiertagsleben, innerhalb und außerhalb des Hauses, das Familiendasein in seinen kleinen Freuden und Leiden sind seine Stoffe, die er mit anmutsvoller Wahrheit darstellt und mit großer Sorgfalt durchbildet. Der Harz, später auch Thüringen, lieferten ihm eine ganze Folge der anmutigsten Gegenstände: ein Milchmädchen, das am Wege niedersitzt und seine Barschaft zählt, die Harzerin, die am Gartenzaun nach ihrem Schatz aussieht (gestochen von Teichel), eine Alte, die der Enkelin Strickunterricht erteilt, die Kätzchen (gestochen von Grundmann), eine Dorfschule u. s. w. Seit 1838 war M. Mitglied der Akademie der Künste zu Berlin, an der er später auch eine Professur erhielt. Er starb daselbst 18. Jan. 1879. Seine Selbstbiographie gab mit Ergänzungen Paul M. (Berl. 1880) heraus. Wilhelm Alexander M., Bruder des vorigen, geb. 1815, malte U. · Lager und Schlachtenscenen, Biwaks u. dgl., Stoffe, die er, oft mit humoristischen Zügen versetzt, in lebendiger Weise und gesundem Tone behandelt. Vieles davon ist im Besitz des deutschen Kaisers in Babelsberg. Auch als Lithograph hat er ausgezeichnete Sachen geliefert; namentlich ist der russ. Schlitten nach H. Vernet zu erwähnen. Er starb 13. Jan. 1882 in Berlin. — Hermann M., der jüngste Bruder der vorigen, malt Architekturen, meistens Seestädte. Franz, Sohn Eduards, geb. zu Berlin 10. Okt. 1838, war Lehrer an der Akademie der Künste in Berlin und starb in Marburg 6. April 1879. — Der andere Sohn, Paul, geb. 13. Juli 1842, neigte sich namentlich der Tiermalerei zu. Seine Hauptwerke sind Volksscenen und Motive landwirtschaftlichen Genres, die Figuren, Vieh und Landschaft in sich vereinen, Menagerien und Schaubuden, Affengerichtsscene und Affenbankett, viele Deo Daüuren Später beschäftigte sich M. auch mit 615 Dekorierung großer Räume. Hervorzuheben sin noch: Kohlenbrenner (Museum Hamburg) Gutsherrin (Museum Königsberg), amsterdamer Antiquar (Nationalgalerie Berlin), neun Fresken: Scenen aus den Jahreszeiten (in der Nationalgalerie), sieben Bilder in einer Loggig: Geschichte der Lokomotive (in Borsigs Villa zu Moabit), Porträt des Kaisers Wilhelm (Reichsgericht zu Leipzig). M. ist Mitglied sowie Professor der Tierklasse an der Akademie zu Berlin. — Der Sohn eines andern Bruders von Eduard, Robert M., studierte in Düsseldorf und malte x‚ äter in England ausgezeichnete Landschaften und Rinder in kleinem Format.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 690Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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