Mikröben (grch.), mikroskopisch kleinste Organismen aus der Klasse der Spaltpilze oder Schizomyceten (s. d.), welche nicht nur bei zahlreichen chem. Vorgängen des täglichen Lebens (Gärung, Eecenden Verwesung), sondern auch bei vielen anteckenden Krankheiten in den Säften und Geweben der Kranken gefunden werden und deshalb von den neuern Forschern für das wahre Kontagium (s. d.) der betreffenden Krankheit erklärt werden. Form und Organisation der M. sind verschieden; man unterscheidet kugelige oder ovale (Mikrococcus oder Kugelbacterie), stäbchenförmige (Bacillus oder Stäbchenbacterie), spiralig gewundene (Spirillus) u. a. Sicher nachgewiesen ist das Vorkommen derartiger mikroskopischer Organismen bei verschiedenen putriden Infektionskrankheiten, insbesondere der Pyämie, Septicämie und dem Puerperalfieber, ferner bei der sog. Intestinalmykose, einer rasch tödlichen Krankheit, bei welcher die Schleimhaut des Darmkanals, sowie die Blutgefäße des Hirns strotzend mit Pilzen erfüllt sind, weiterhin bei den diphtheritischen Pseudomembranen, bei Milzbrand, Rotz, Pocken, Cholera und einigen andern Affektionen. Dagegen blieb — —•— lange unentschieden, ob die aufgefundenen M. ihr Vorkommen nur dem Zufall und dem günstigen Boden, welchen ihnen die Krankheitsprodukte gewähren, verdanken oder ob sie wirklich die Ursache der pathol. Veränderungen, somit die eigentlichen Krankheitserreger sind. Am frühesten stellte Hallier in Jena die Behauptung auf, daß die Bacterien und die ihnen verwandten Organismen aus den Sporen, d. h. Keimen gewisser Schimmelpilze abstammen und unter entsprechenden Verhältnissen sich wieder zu diesen Pilzformen entwickeln; er nahm für jede einzelne Infektionskrankheit spezifisch verschiedene Arten, also einen besondern Blattern-, einen Typhus-, einen Cholera- u. s. w. Pilz an, blieb aber den experimentellen Beweis hierfür schuldig. Nachdem eine Reihe von ausgezeichneten Forschern, wie Cohn, Davaine, Pasteur, Klebs, Tommasi-Crudeli, Klein, Obermeier u. a. sich auf Grund ihrer Untersuchungen für die parasitäre Theorie der Jusettionskrankheiten ausgesprochen, gelang es Robert Koch experimentell nachzuweisen, daß die von ihm in den Lungen und dem Auswurf Schwindsüchtiger aufefundenen Tuberkelbacillen die wahre Ursache der Tuberkulose (s. d.) sind, und daß auch bei der Cholera spezifische Bacillen die eigentlichen Träger des Cholerakontagiums darstellen. (S. Kommabacillen.) Seit den epochemachenden Entdeckungen Kochs ist die bacteriologische Forschung eifrig bemüht, auch die Kontagien der übrigen Infektionskrankheiten zu erforschen. Litteratur. Hallier, «Die pflanzlichen Parasiten des menschlichen Körpersy (Lpz. 1866); Eidam, „Der gegenwärtige Standpunkt der Mykologie mit Rücksicht auf die Lehre von den Infektionskrankheiteno (2. Aufl., Berl. 1872); Steudener, «über pflanzliche Organismen als Krankheitserreger»(Lpz. 1872); R. Koch, Untersuchungen über die AÄtiologie der Wundinfektionskrankheiten)(Lpz. 1878). S. auch „Mitteilungen aus dem kaiserl. Gesundheitsamte.