Milicz von Kremsier, der bedeutendste unter den böhm. Vorläufern des Johann Huß, geb. zu Kremsier in Mähren, ward 1350 Geistlicher, kam an den Hof des Markgrafen Johann von Mähren und seines Sohnes, König Karl IV., welchen er als Geheimschreiber 1360 —62 mehrmals nach Deutschland begleitete. Zugleich war er Domherr und Archidiakonus in Prag. Im J. 1363 legte M. sämtliche Amter und Würden nieder, zog sich in die Einsamkeit zurück, kam aber bald wieder nach Prag, um dem Volke in czech. Sprache das Evangelium zu predigen. Dabei gewann er immer mehr die Überzeugung, daß die Kirche einer durchgreifenden Felomnt bedürfe, und sprach dies mit rückhaltloser Entschiedenheit aus. Im J. 1367 zog er nach Rom, um Papst Urban V. seine Anschauung vorzutragen, jedoch ohne Erfolg. Im J. 1369 wurde M. Pfarrer an der Teynkirche in der prager Altstadt. Um sich gegen die Verdächtigungen seiner Gegner zu verteidigen, reiste M. 1374 an den päpstl. Hof zu Avignon, wo er 29. Juni 1374 starb. Von seinen Werken (in czech. Sprache) ist bekannt eine «Postille- und ein Buch über den Antichrist (Prag 1542). Vgl. Jordan, DDie Vorläufer des Hussitentums in Böhmeno» (Lpz. 1846); Lechler, Joh. von Wicliffe und die Vorgeschichte der Reformationo (Lpz. 1873).