Dobrowsky (Jos.), der Begründer der slaw. Philologie, geb. 17. Aug. 1753 zu Gyermet unweit Raab in Ungarn, von böhm. Abkunft, erhielt zu Bischofteinitz in Böhmen eine ganz deutsche Erziehung und erlernte erst die böhm. Sprache seit 1763 auf dem Gymnasium zu Deutschbrod. Sodann kam er in das Jesuitenkollegium nach Klattau und von 1768 an studierte er in Prag. Im J. 1772 wurde er zu Brünn in den Jesuitenorden Auhetnommen. Nach der Aufhebung desselben kehrte er nach Prag zurück, um seine theol. Studien fortzusetzen. Hier studierte er mit besonderer Vorliebe orient. Sprachen, sodaß er dem Prof. Michaelis nach Göttingen Beiträge für seine «Orientalische Bibliotheko lieferte (Pragische Fragmente hebr. Handschriften ). Im J. 1776 wurde er Erzieher im gräfl. Nostitzschen Hause. Schon sein erster schriftstellerischer Versuch, «Fragmentum Pragense evangelii S. Marci, vulgo autographi (Prag 1778)¾, machte ungemeines Aufsehen durch die Fülle der Gelehrsamkeit, mit welcher er die Unechtheit dieser angeblichen Urschrift des Markus nachwies. Durch die Herausgabe einer Zeitschrift über böhm. und mähr. Litteratur (Prag 1780 —87) sah er sich zwar in mehrfache Han Ruf: 1 verwickelt, gewann aber hierdurch auch an Ruf; 1787 ward er Vizerektor des Generalseminariums zu Hradisch bei Olmütz und 1789 wirklicher Rektor. Doch schon im Juli 1790, bei Aufhebung der Generalseminarien der österr. Monarchie, erfolgte seine Versetzung in sizschen ö. Als Hausfreund 1791 wieder im Nostitzschen Hause aufgenommen, lehnte er seitdem, die Unabhängigkeit vorziehend, jede Anstellung ab. Zur Auffuchung und Prüfung der für Böhmen wichtigen Handschriften reiste er 1792 nach Stock-Dant Abo, Petersburg und Moskau, 1794 durch ö eutschland, talien und die Schweiz. Nach der Rückkehr verfiel er zum ersten mal in die später sich Conversations-Lexikon. 13. Aufl. V. öfter wiederholende Geisteskrankheit, genas jedoch bald und lebte dann abwechselnd im Winter in Prag, im Sommer auf dem Lande, meist auf den Gütern der Grafen Nostitz, Sternberg-Manderscheid und in spätern Jahren in Chudenitz bei dem Grafen Czernin. Während eines Aufenthalts in Brünn starb er 6. Jan. 1829. D. ist der wissenschaftliche Begründer der slaw. Philologie. Unter seinen zahlreichen Schriften haben die sprachwissenschaftlichen die meiste Bedeutung. Dahin gehören: „Geschichte der böhm. Sprache und ältern Litteratur o . 1792 2. Aufl. 1818), «Die Bildsamkeit der slaw. Spracher (Prag 1799), «Lehrgebäude der böhm. Sprachey (Prag 1809; 2. Aufl. 1819; böhmisch bearbeitet von Hanka, 2. Aufl., Prag 1831), die erste und grundlegende wissenschaftliche Behandlung der czech. Sprache. Diesen Arbeiten über das Böhmische schließen sich noch an die 4Glagoliticay (Prag 1807; 2. Aufl., von Hanka, 1832); die Institutiones linguae slavicae dialecti veteris o (Wien 1822), die erste wissenschaftliche Darstellung des Kirchenslawischen, eins seiner Hauptwerke, das freilich sofort durch die Forschungen des ihn als Grammatiker überragenden russ. Gelehrten Vostokov veraltete; der Entwurf zu einem allgemeinen Etymologikon der slaw. Sprachen» (Prag 1813; 2. Lus von Hanka, 1833), und die beiden Sammelwerke «Slavin » (6 Hefte, Prag 1808; 2. Aufl., von Hanka, Prag 1834) und „Slovankav (2 Hefte, Prag 1815). Unter Dis histor. Schriften sind die Scriptores rerum Bohemicarumv (2 Bde., Prag 1783—84) hervorzuheben. Seine letzte histor. Arbeit, die er jedoch nicht mehr vollendete, war die kritische Ausgabe „Jordanis de rebus Geticiso für Pertz' (Monumenta Germaniae historica v. Viele interessante Abhandlungen Di.s finden sich in den (Abhandlungen der böhm. Gesellschaft der Wissenschaftenp (1784—1827) sowie in gelehrten Zeitschriften. Auch auf dem Gebiete der Botanik versuchte sich D. mit Erfolg. In seinem Buche Entwurf eines Pflanzensystems nach Zahlen und Verhältnissen » (Prag 1802) sind schon Normen festgestellt, welche später Fest, Decandolle und Cassel behandelten. gl. Palacky, «Joseph D.s Leben und gelehrtes Wirken» (Prag 1833).