FeedHieronymus von Prag
ReligionBrockhaus 1882

Hieronymus von Prag (die Angabe, sein Familienname sei Faulsisch gewesen, ist unrichtig), Freund und Gesinnungsgenosse des Joh. Huß, geb. zu Prag, studierte daselbst, darauf seit 1396 in Orford, von wo er die ersten theol. Schriften Wicliffes nach Prag brachte, später in Heidelberg, Köln und Paris, machte weite Reisen bis nach Jerusalem und kehrte erst 1407 nach Prag zurück, wo er sich eng an Huß anschloß. Auf Einladung Wladislaus' II. von Polen half er 1410 die Universität Krakau einrichten. Auf Wunsch König Sigismunds von Ungarn predigte H. vor ihm in Ofen, wurde aus diesem Anlaß wicliffitischer Ketzereien verdächtigt, in Wien verhaftet und nur auf Verwendung der prager Universität wieder freigelassen. Entschieden und treu stand er, als die Bewegung heftiger wurde, Huß zur Seite, und versprach, als Huß 1414 nach Konstanz abreiste, ihm seine Hilfe im Fall der Not. Als Huß in Konstanz verhaftet wurde, machte sich deshalb H. auf und traf am 4. April 1415 in Konstanz ein. Als er die Gefahr erkannte, versuchte er von dem benachbarten Überlingen aus freies Geleit vom Kaiser und freies Gehör vom Konzil zu erhalten. Da es nicht gewährt wurde, trat H. den Heimweg an, wurde aber in Hirschau in der Oberpfalz verhaftet und als Gefanener nach Konstanz zurückgebracht. Mehrmonatiche Kerkerhaft brach seine Widerstandskraft so völlig, daß er am 23.Sept. 1415 in öffentlicher Sitzung des Konzils seine Irrlehren widerrief. Als er dennoch im Kerker festgehalten wurde, gewann er die Standhaftigkeit, am 26. Mai 1416 diesen Widerruf wieder zurückzunehmen und am 30. Mai den Tod auf dem Scheiterhaufen mit freudiger Zuversicht zu erdulden. Vgl. Haller, H. von Prago (Lübeck 1835); Helfert, «Huß und H. von Prag (Prag 1853).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 226Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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