Missolunghi, richtiger Mesolongion, die Hauptstadt einer nach ihr benannten Eparchie des griech. Nomos Akarnanien-Atolien, ein im griech. Unabhängigkeitskampfe berühmt gewordener Ort, damals das Hauptbollwerk der Griechen in Westhellas, liegt höchst ungesund auf sumpfigem Terrain am östl. Rande der großen Lagune, welche den westlichern Teil der Südküste Ätoliens zwischen den Mündungen der Flüsse Acheloos (Aspropotamos)⸗ und Euenos (Fidaris) einnimmt. Die (1879)6324 EC. zählende Stadt ist der Sitz eines Erzbischofs, sowie eines Gerichtshofs erster Instanz und hat eine hellenische Schule. Nicht weit nordwestlich liegt in den Lagunen die ebenfalls befestigte Stadt Anatolikon mit 3000 E., meist Fischern. M. ist durchaus neuern Ursprungs und nicht viel über drei Jahrhunderte alt. Von Fischern gegründet, wurde es bald durch seine wichtige Lage am Eingange des Golfs von Patras von Bedeutung und hob sich schnell durch den Handel, hatte im 18. Jahrh. auch sehr achtbare Bildungsanstalten. Obgleich 1715 von den Türken verwüstet und 1770furchtbar mitgenommen, zählte es 1804 doch schon wieder 4000 E. Beim Ausbruch des griech. Freiheitkampfes erhob es sich nebst Anatolikon schon 1. Juni 1821. Alexandros Maurokordatos warf sich 1822 nach der Niederlage bei Peta mit geringer Mannschaft nach M., das er seit Anfang November mit Markos Botsaris gegen die Türken verteidigte, bis diese nach einem mißlungenen Sturme (6. Jan. 1823) die Belagerung aufhoben. Seitdem besser befestigt, gehörten beide Orte zu den wichtigsten Plätzen der kämpfenden Griechen. Eine zweite Belagerung von 59 Tagen hatten M. und Anatolikon in den letzten Monaten 1823 zu bestehen, als nach dem heldenmütigen Tode des Markos Botsaris bei Karpenisi (im Aug. 1823) Mustai Pascha und Omer Vrionis zu Lande und türk. Schiffe zur See sie einschlossen. Doch Konstantin Botsaris behauptete sich, bis die Pest, die im Lager der Feinde wütete, letztere abzuziehen nötigte. Hierauf legte sich 27. April 1825 der Seraskier Mehmet Reschit, genannt Kiutagi, mit ungefähr 20000 Mann vor M., das jetzt der tapfere Notis Botsaris verteidigte. Alle Angriffe waren vergeblich, und auch der 2. Aug. 1825 und an den folgenden Tagen von der Flotte des Kapudan-Pascha unterstützte Sturm des Seraskiers auf die durch ein 49tägiges Bombardement sehr beschädigten Wälle des Platzes wurde abgeschlagen. Selbst als seit dem 7. Jan. 1826 Ibrahim Pascha mit dem ägypt. Heer an der Belagerung sich beteiligte, vermochte man nichts gegen M. auszurichten. Nur der äußerste Mangel an Lebens⸗ und Kriegsbedarf nötigte am Ende die Besatzung und die Einwohner, 22. April w1826 abends nach 8 Uhr einen Versuch zu machen, sich durch die Belagerer durchzuschlagen. Allein nur einem Teile gelang dies; viele der in die Stadt Zurückgedrängten sprengten sich nebst den eingedrungenen Agyptern und Türken in die Luft. Vgl. Fabre, Histoire du siége de M.o (Par. 1826). Erst 14. Mai 1829 wurden M. und Anatolikon von den Griechen mit Kapitulation wieder eingenommen. Seit der Errichtung des Königreichs Griechenland hat sich M. allmählich wieder gehoben. In M. sind die Gräber des Maniaten Kyriakulis Mauromichalis, des Sulioten Markos Botsaris und des Grafen Normann, das Mausoleum, das das Herz Byrons enthält, der in M. 19.April 1824 starb, sowie eine 6. Nov. 1881 enthüllte Statue Byrons.