Moleschott (Jak.), einer der ausgezeichnetsten Physiologen der Gegenwart, geb. 9. Aug. 1822 zu Herzogenbusch, widmete sich zu Heidelberg mediz. und naturwissenschaftlichen Studien und ließ sich 1845 zu Utrecht als Arzt nieder, arbeitete aber daneben im chemischen Laboratorium Mulders. Mit Donders und Van Deen gab er die Holländ. Beiträge zu den anatom. und physiol. Wissenschafteno heraus. Im Frühjahr 1847 wandte sich M. nach Heidelberg, wo er bis 1854 als Privatdocent thätig war, dann aber infolge einer seinen materialistischen Ansichten geltenden Verwarnung von seiten des Ministeriums sich vom Lehramt zurückzog und als Privatmann ein aDPun Laboratorium leitete. M. wurde im Frühjahr 1856 zum ord. Professor der Physiologie in Zürich ernannt und folgte im Herbst 1861 einem Rufe als Professor der Physiologie an die Universität nach Turin. Im J. 1876 ward er zum Senator des Königreichs Italien erhoben. Seit 1879 ist er Professor der Physiologie in Rom. Mis wissenschaftliche Untersuchungen erstrecken sich auf die Lunge, das Blut, die Milch und den Ursprung der Galle, 909 die Struktur der Muskeln und Horngebilde, wobei er auch zur Ausbildung der mikrochem. Technik manches beigetragen hat. Von Gegenständen der Physiologie im engern Sinne In bil er sich besonders mit der Respiration, den Rückbildungsvorgängen, der Innervation des Herzens, den molekularen Vorgängen im gereizten Nerven, dem Wachstum der Horngebilde, außerdem mit verschiedenen physiol.⸗chem. und embryologischen Problemen. M. entdeckte namentlich (1855), daß durch das Licht auch das Atmen der Tiere befördert und deren Ausscheidung von Kohlensäure vermehrt wird. Die Ergebnisse seiner Arbeiten und derjenigen seiner zahlreichen Schüler legte er zum großen Teile in der von ihm 1855 begonnenen Zeitschrift „Untersuchungen zur Naturlehre des Menschen und der Tiere » nieder. Viel Aufsehen erregten seine Studien über die Wirkungen des Jodoforms. Von Mis selbständigen Schriften sind hervorzuheben «Physiologie der Nahrungsmittelo (Darmst. 1850; 2. Aufl., Gieß. 1859), Lehre der Nahrungsmittel. Für das Volko (Erlangen 1850; 3. Aufl. 1858), welche in die meisten neuern Sprachen übersetzt ward; „Physiologie des Stoffwechsels in Pflanzen und Tierenv (Erlangen 1851), (Der Kreislauf des Lebens v (Mainz 1852; 5. Aufl., 2 Bde., 1876—85), (Physiol. Skizzenbuch' (Gieß. 1861), (Georg Forster. Der Naturforscher des Volksy (Frankf. 1854; 2. Aufl., Halle 1874), Hermann Hettners Morgenroto (Gieß. 1883).