FeedMontaigne (Michel Eyquem de)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Montaigne (Michel Eyquem de), berühmter franz. Moralphilosoph, wurde 28. Febr. 1533 auf dem Schlosse Montaigne in Perigord geboren. Früh mit der lat. und griech. Sprache vertraut, widmete er sich, nachdem er mit 13 Jahren schon seine Schulstudien auf dem Collége zu Bordeaux beendet, dem Rechtsfache und erhielt 1554 die Stelle eines Rats am Parlament zu Bordeaur. Den Geschäften abgeneigt, versenkte er sich in das Studium der röm. und griech. Philosophen, trat in Verbindung mit ausgezeichneten Geistern und schrieb eine vortreffliche Übersetzung der natürlichen Theologie des Raymundus Sebondus (Par. 1569). Als sein Vater 1569 gestorben, legte er sein Amt nieder und zog sich dann auf sein Erbschloß Montaigne zurück. Hier schrieb er die ersten zwei Bücher seines berühmten Werks Les essais de messire Michel, seigneur de M.v (2 Bde., Bord. 1580). Seit 1580 machte er Reisen in Deutschland, Italien und der Schweiz. Im J. 1581 wählten ihn die Bürger von Bordeaur zu ihrem Maire, welches Amt er mehrere Jahre verwaltete. Der Bürgerkrieg und die Pest trieben ihn 1586 von seinem Schlosse. M. suchte in den Zeitwirren als Vermittler aufzutreten, mußte aber gerade darum, weil er in seinen Ansichten weder Katholik noch Protestant war, die Verfolgungen beider Parteien erdulden. In dieser Zeit ließ er das dritte Buch seiner Essaiso erscheinen. Er starb 13. Sept. 1592. Was M. dachte und empfand, zeichnete er nach Zufall und Laune auf, und so entstand gleichsam ein psycholog. Gemälde, in welchem seine eigene Persönlichkeit den Mittelpunkt bildet und das einen Schatz von praktischer Lebensweisheit enthält. In feiner Weise auf die Relativität alles Denkens aufmerksam, wurde er der Vater jenes Skeptizismus, der die Atmosphäre der litterarischen Gesellschaft in Frankreich bildet. In seinem Stil zeigt er sich bald fahrlässig und holperig, bald entwickelt er Grazie, Energie und eine Fülle des Ausdrucks, die seine Werke zu einer Schaßkammer der franz. Sprachbildung machen. Von seinen «Essaiso erschienen zahlreiche Ausgaben, darunter die von Coste (5Bde., Haag 1727), Johanneau (5 Bde., Par. 1818), Victor Leclere (5 Bde., Par. 1826—29; 2 Bde., Par. 1865) und die kritische von Dezeimeris und Barckhausen (Par. 1870 fg.). Eine deutsche übersetzung lieferte Bode in M.s Gedanken und Meinungeno (6 Bde., Berl. 1793). Sein später aufgefundenes Journal du voyage de Michel M. en Italie par la Suisse et I'Allemagnes veröffentlichte Guerlon (Par. 1774). Vgl. Grun, Vie publique de M.o (Par. 1855); Bimberet, Les essais de M. dans leurs rapports avec la législation moderner (Orléans 1864); Leveaux, Etudeé sur les essais de M.v (Par. 1870).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 832Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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