Fenelon (Frangois de Salignac de Lamothe), berühmter franz. Schriftsteller und Kanzelredner, geb. 6. Aug. 1651 auf dem Schlosse F. im Depart. Dordogne aus einem berühmten Geschlecht, zeichnete sich früh durch sanften Charakter und Lebhaftigkeit des Geistes aus. Nachdem er durch seinen Oheim, den Marquis von F., zu Cahors die erste Erziehung erhalten, trat er in das Seminar St.⸗Sulpice zu Paris ein, wurde 1675 zum Priester geweiht, und erhielt drei Jahre darauf vom Erzbischof von Paris, Harlay, die Aufsicht über die zur kath. Kirche übergegangenen Protestanten übertragen. Seine Erfolge in dieser Stellung bewirkten, daß er vom König zum Vorsteher einer Mission zur Bekehrung der Hugenotten in der Provinz Saintonge berufen wurde, wo er I Dragonaden (s. d.) durch seine ergreifende Beredsamkeit und sanftes, gewinnendes Wesen die gehofften Wirkungen hervorbrachte. Nach Veröffentlichung seiner für die Zeit bedeutenden Erziehungsschrift De l'éducation des filleso(1687; deutsch von Arnstädt, Lpz. 1879) vertraute ihm Ludwig XIV. 1689 die Erziehung seiner Enkel, der Herzöge von Bourgogne, Berri und Anjou, an, von denen der erste zum künftigen Beherrscher Frankreichs bestimmt war, den aber ein schneller Tod hinraffte; für seine Unterweisung verfaßte F. eine Reihe nach Form, Bialge und Tendenz wertvoller Werke (Kableso, Dialogues des mortso, Aventures de Telémaquey), die noch heute in Frankreich allgemein verbreitet sind. F. ward 1693 Mitglied der Akademie und 1694 Erzbischof von Cambrai. Ein litterarischer Streit ber den Quietismus, den . mit Bossuet (s. d.) führte, endigte damit, daß seine Lehrsätze in der &Explication des maximes des Saintso (1697) von Papst Innocenz XII. verdammt und er von Ludwig XIV. in seinen Sprengel verwiesen wurde, worauf er sich ohne Vorbehalt unterwarf. Um diese Zeit kritisierte er Ludwigs XIV. Regierungssystem in freimütigster Weise in einem Schreiben, das erst in neuerer Zeit (Lettre de F. à LOuis XIVY, Par. 1825) im Druck erschien. Seitdem lebte F. in seinem Sprengel als ein wurdiger Bischof, mit philos. Studien beschäftigt, und starb 7. Jan. 1715. Durch öffentliche Unterzeichnung der franz. Nation 1819 ward ihm 7. Jan. 1826 zu Cambrai ein Denkmal errichtet. In seinen philos., theol. und in den Unterhaltung mit Belehrung verbindenden erzieherischen Werken erkennt man einen feingebildeten und durch eine lebendige und anmutige Phantasie beseelten Geist. Sein Stil ist fließend und harmonisch. Sein vorzüglichstes Werk, Les aventures de Téléèmaques, in welchem er als Erzieher des Prinzen Muster der Weisheit und einer fürstl. Erziebung aufstellte, wurde ohne sein Wissen (Par. 1699) veröffentlicht und sogleich verboten, da es für eine Satire auf den König, seine Regierung und seine Umgebung ausgegeben wurde, während die persönliche Satire F. gänzlich fern lag. Erst nach F.s Tode konnte der (Telemaques (2 Bde., Par. 1717) wieder gedruckt werden; er wurde seitdem bis in die neueste Zeit in unzähligen Auflagen (von Adry, 2 Bde., Par. 1811; von Villemain, 2 Bde., Par. 18²24, von Janin, Par. 1842; von Lefevre, Par. 1853; mit deutscher Erklärung von Vockeradt, Berl. 1879 verbreitet und in fast alle lebenden Sprachen übersetzt. Die vollständige Ausgabe der 4Oeuvres de P.» besorgte Bausset (22 Bde., Par. 1821—24), „Oeuvres choisies de F.v, z. B. mit dem Eloges von Laharpe und biographisch-litterarischer Notiz von Villemain (6 Bde. „Par. 1825; neue Aufl. 1829). Aus den Originalhandschriften gab die „Correspondance de F.o (11 Bde., Par. 1827— 29) Caron heraus. F.s Religiöse Schrifteno wurden vorzüglich durch Claudius den Deutschen zugänglich gemacht und von Silbert (4 Bde., Regensb. 1837—39) übersetzt. Vgl. Bausset, 4Histoire de P.v (3 Bde., Par. 1808; deutsch von Feder, 3 Bde., Würzb. 1811—12); Wunderlich, F., Erzbischof von Cambrai. Ein Lebensbild o (Hamb. 1873); Hunnius, Das Leben F.s„(Gotha 1873); Douen, XL'intolérance de F.v (Par. 1875). Feuestrelle (frz. Fenestrelles), Dorf in der ital. Provinz Turin, 30 Kmeim NW. von Pinerolo, am Clusone und der von Briangon über den Mont-Genevre führenden Straße im Thale Pragelas, mit (1881) 1238 C., ist durch sein Fort bemerkenswert. Dasselbe wurde 1696 von den Franzosen zur Deckung der savoyischen Grenze erbaut, 1708 von Savoyen erobert und 1713 im Utrechter Frieden behauptet. Später ward es bedeutend verstärkt, sodaß es für unüberwindlich galt, jedoch von den Franzosen 1796 durch Kapitulation genommen und zerstört, neuerdings aber wiederhergestellt. Seit der Eröffnung des Passes über den Mont-Genovre mit den nach Susa und Pinerolo führenden Verzweigungen hat es seine strategische Bedeutung verloren und dient jetzt nur noch als Staatsgefängnis.