FeedMontesquieu
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Montesquieu (Charles de Secondat, Baron de la Bröde et de), einer der berühmtesten philos.⸗ polit. Schriftsteller der Franzosen, stammte aus einer vornehmen Familie in Guyenne und war 18. Jan. 1689 auf dem väterlichen Schloß Bröde bei Bordeaux geboren. Er wurde 1714 Rat beim Parlament zu Bordeaux und zwei Jahre später Präsident desselben. Sein erstes Werk waren die (Lettres persaneso (Par. 1721). Mit launigem Spotte beurteilt darin ein Naturmensch unter der Maske eines Persers das damalige polit., gesellschaftliche und litterarische Leben der Franzosen. Obgleich M. die Akademie in seinen Lettreso keineswegs geschont hatte, wurde er doch 1728 zum Mitglied derselben erwählt. Um die Gesetzgebung und das Verfassungswesen fremder Nationen kennen zu lernen, legte er 1726 seine Stelle nieder, machte später eine Reise durch Deutschland, Ungarn, Italien, die Schweiz, Holland und England, wo er zwei Jahre im vertrauten Umgang mit dem geistreichen Chesterfield verweilte. Nach seiner Rückkehr auf sein Schloß Brede ließ er die berühmten „Considérations sur les causes de la grandeur et de la décadence des Romainso (Par. 1734) erscheinen. Ein Meisterstück waren auch die Dialogues de Sylla et de Lysimaquen (Par. 1748), die er pseudonym als Charles d'utrepont herausgab. Nie hat ein Psycholog, Tacitus ausgenommen, so die Seele eines Despoten erforschend zergliedert und ihre leisesten Regungen erlauscht, als es in diesen Dialogen geschehen ist. Nach langen Vor—⸗ bereitungen erschien endlich M.s Hauptwerk «Esprit des loiso (2 Bde., Genf 1748), in welchem er die Entwickelung gesetzlicher Einrichtungen und ihr Naturverhältnis zu örtlichen und gesellschaftlichen Bedingungen in den verschiedenen Ländern zum ersten male in einem großartigen überblicke darzustellen versuchte. Dadurch wurde dieses Werk für die Entwickelung der Staatswissenschaften von epochemachender Bedeutung, obwohl nicht zu verkennen ist, daß M. in den wesentlichsten Dingen sich nicht über sein Jahrhundert erhob, namentlich die Bedeutsamkeit des religiösen Moments im Leben der Menschen verkannte und das absolute röm. Staatsaxiom, edas Heil des Volks sei das höchste Gesetzo, gelten ließ. M. starb zu Paris 10. Febr. 1755. Die Ausgaben seiner sämtlichen Werke sind überaus zahlreich; als die besten sind zu erwähnen die londoner (3 Bde., 1759), die baseler (8 Bde., 1800), unter den neuern die von Auger besorgte (8 Bde., Par. 1819), die von Destutt de Tracy und Villemain (8 Bde., Par. 1827), die von Lefebre (2 Bde., Par. 1839), von Hachette (3 Bde., Par. 1865) und die von Ed. Laboulaye (7 Bde., Par. 1875 79). Vgl. M.s Elogey von Villemain (1816 von der Akademie gekrönt); Jannsen, M.s Theorie von der Dreiteilung der Gewalten im Staate »(Gotha 1878); Dangeau, «M., bibliographie de ses œuvreso (Par. 1874); Vian, «Histoire de M., d'après des documents nouveéaux et inéditso (Par. 1878).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 844Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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