Montägu (Lady Mary Wortley), eine durch ihre Schriften wie durch ihre Bemühungen um die Einführung der Schutzpockenimpfung berühmte Engländerin, geb. 1690 zu Thoresby in der Grafschaft Nottingham, Tochter Evelyn Pierreponts, Herzogs von Kingston, heiratete 1712 den reichen Edward Wortley M. Als derselbe 1716 den Gesandtschaftsposten bei der Pforte erhielt, folgte sie ihm nach Konstantinopel, wo sie die Schutzpockenimpfung kennen lernte, die sie später in England einführte. Als ihr Gemahl 1718 abgerufen wurde, kehrte sie nach London zurück. Hier sammelte sie einen Kreis von Schriftstellern um sich, unter denen sich Addison, Steele, Houng und Pope befanden. Letzterer zerfiel indessen mit ihr und rächte sich an ihr durch beißende Satiren. Später lebte sie 22 Jahre in Italien und kehrte erst 1761, nach dem Tode ihres Gemahls, nach England zurück, starb indes schon 21. Aug. 1762. Sie hinterließ poetische Fragmente und Briefe über ihre Reise nach der Türkei. Die erste rechtmäßige Ausgabe ihrer Werke erschien unter dem Titel The letters and other works of the Lady Mary Wortley M. (6 Bde., Lond. 1803; franz., 4 Bde., Par. 1804). Später gab ihr Urenkel, Lord Wharneliffe, ihre Briefe und Werke heraus (3. Aufl., 3 Bde., Lond. 1861—62). Als Dichterin ist sie unbedeutend; ihre Briefe dagegen offenbaren klassische Bildung, kühnen, männlichen Geist und große Kraft des Stils. Edward Wortley M., Sohn der vorigen, geb. 1715, führte von Jugend auf ein unstetes Leben und wurde 1751 in Paris sogar in einen Kriminalprozeß verwickelt. Im J. 1754 trat er ins Parlament. Dann veröffentlichte er das treffliche Werk Reflections on the rise and fall of tlie ancient republicsd (Lond. 1759; franz., Par. 1769 u. 1793). Nach dem Tode seiner Eltern machte er weite Reisen, besonders im Orient, und nahm endlich ganz orient. Sitten an. Im J. 1773 ließ er sich in Venedig nieder und starb daselbst 2. Mai 1776. Seine zahlreichen Altertumsforschungen erschienen in den Schriften der königl. Akademie. Eine Beschreibung seines Lebens befindet sich in Nichols' Literary anecdotes of the eighteenth centuryy (Bd. 4, Lond. 1812).