FeedMontanisten
ReligionBrockhaus 1882

Montanisten nannte man im 2. Jahrh. eine allmählich zur Sekte gewordene Partei, welche die urchristl. Hoffnung auf die baldige sichtbare Wiederkunft Jesu zur Errichtung des Tausendjährigen Reichs von neuem zu beleben suchte. Der Name M. stammt von Montanus, der in Phrygien als Prophet auftrat und die nahe bevorstehende Herabkunft des himmlischen Jerusalem auf die phrygische Stadt Pepuza verkündigte; doch hat der Montanismus seinen Ursprung weder von einer einzelnen Person noch in einem einzelnen Lande genommen, sondern regte sich um die Mitte des 2. Jahrh. überali in der Kirche. Die montanistischen Propheten, un-I ter denen auch Frauen, wie Maximilla, Priscilla Quintilla, genannt werden, verkündigten, daß die d Kirche Christi jetzt aus dem Jünglingsalter in das der männlichen Reife übergetreten sei, in welchem vieles, was Christus durch seine Apostel um der Herzenshärtigkeit der Menschen willen noch nachgesehen, nicht mehr geduldet werden dürfe. Daher verwarfen sie die Wiederaufnahme aller in Todsünden Gefallenen, namentlich auch solcher, welche Christum in Verfolgungszeiten verleugnet hatten, in die hiücker Meneladiie und verwiesen sie auch bei ernstlicher Reue lediglich an die göttliche Barmherzigkeit. Ebenso verwarfen sie die zweite Ehe als feinern Ehebruch und verschärften die Fasten. Gegenüber denen, die von den Bischöfen Absolution nahmen, bezeichneten sie sich selbst als die Kirche des Geistes oder als Pneumatiker im Unterschied von den Psychikern. In Afrika gewann der Montanismus an dem Kirchenlehrer Tertullian seinen eifrigsten Vorkämpfer. Zwar wurde die montanistische Prophetie mit ihrer ekstatischen Begeisterung zuerst in Rom und Kleinasien, danach zu Anfang des 3. Jahrh. als ketzerisch verdammt und ihre Anhänger aus der Kirche gewiesen. Dennoch erhielten sich aber nicht nur die montanistischen Bußgrundsätze, sondern auch die Lehre von der Fortdauer der Geistesgaben und die Hoffnung auf das Tausendjährige Reich (s. Chiliasmus) noch längere Zeit und erzeugten den sog. chalben Montanismuso, welcher noch in dem Schisma des Hippolyt und den Gegenkirchen der Novatianer und Donatisten nach kirchlicher Geltung rang. Vgl. Schwegler, Der Montanismus und die christl. Kirche des 2. Jahrh.» (Tüb. 1841); Bonwetsch, «Die Geschichte des Montanismus »(Erlangen 1881); Belck, Die Geschichte des M.y (Lpz. 1883).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 834Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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