FeedClausen (Henrik Nikolai)
ReligionBrockhaus 1882

Clausen (Henrik Nikolai), berühmter dän. Theolog, wurde 22. April 1793 zu Maribo auf der Insel“ Laaland geboren, wo sein Vater, Henrik [Georg C. (geb. 12. März 1759, gest. 25. Febr. 1840), später als Stiftspropst in Seeland und als Hauptprediger an der Frauenkirche in Kopenhagen einer der beliebtesten Kanzelredner der Hauptstadt und Herausgeber mehrerer sehr geschätzter Predigtsammlungen, damals Pfarrer war. Nach Beendigung seiner theol. Studien brachte der junge C. die J. 1818—20 in Deutschland, Frankreich und Italien zu. Unter anderm blieb er einen Winter in Berlin, um Schleiermacher zu hören, der auf 1seine theol. Richtung bleibenden Einfluß gewann. ermißt, sind unter K aufzusuchen. Nach seiner Rückkehr wurde er 1821 an der kopenhagener Universität als Lector, im Jahre darauf als Professor der Theologie angestellt. Den konstitutionellen Bestrebungen schloß er sich schon vor 1834 offen an und blieb auch unter der Regierung Christians VIII., seit 1840 als Mitglied und (1842 —46) als Präsident der Provinzialstände zu Roeskilde, mutiger Vertreter derselben. Unmittelbar nach dem Tode Christians VIII. machte er mit seinem Freunde Schouw in der Schrift Ved Thronskifteto (1848) Vorschläge zur Herstellung einer konstitutionellen Verfassung. Bald darauf wurde er zum Mitglied der Konstituierenden Versammlung erwählt und nach dem Sturze des Casino-Ministeriums im Nov. 1848 als Minister ohne Dmedi in den Geheimen Staatsrat berufen, dem er bis Juli 1851 angehörte. Im J. 1876 legte er seine Professur an der Universität zu Kopenhagen nieder und starb daselbst 28. März 1877. Unter seinen wiffenschaftlichen Leistungen sind, außer den exegetischen Arbeiten über die synoptischen Evangelien (5 Hefte, Kopenh. 1847-50), dem Evangelium des Johannes (Kopenh. 1855) und dem Römerbrief (Kopenh. 1863), vor allem hervorzuheben: Katholicismens og Protestantismens Kirkeforfatning, Läre og Ritus » (Kopenh. 1825; deutsch von Fries, Neust. a. O. 1828 — 29), Foredrag over Reformationeno (Kopenh. 1836; deutsch von Jenssen, Lpz. 1837), Det Nye Testaments Hermeneutiko 345540 1840; deutsch von hestelihe Hovedlart Lpz. 1841), Udvikling af de christelige Hovedlärdomme (Kopenh. 1844; 2. Aufl. 1845), „Den Augsburgske Confession oversat og belyst ved historisk-dogmatisk Udvikling (Kopenh. 1851), «Christelig Troeslärep (Kopenh. 1853) und ganz besonders „Det evangeliske Kirkelivs Nutid og Fremtid » (Kopenh. 1859; neue Aufl. 1878). Auch war er seit 1833 Herausgeber der «Tidsskrift for udenlandsk theologisk Litteraturv. Als Vertreter einer freiern theol. Richtung trat C. mehrfach in Polemik mit Grundtvig und dessen Anhängern, namentlich in den Schriften: «Skriftordet og det levende Ordo (1863), Om den Grundtvigianste Preestefrihede (1864), De kirkelige rundroi og det kirkelige Samfund » (1867) und «Grundtvigianismen som Lereretning og som Livsretningy (1869). Nach seinem Tode erschienen C.s Memoiren unter dem Titel &Optegnelser om min Lernets og min Tids Historien (1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 441Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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