FeedJustinus der Märtyrer
ReligionBrockhaus 1882

Justinus der Märtyrer, Kirchenlehrer und Apologet des Christentums, stammte aus Sichem oder Flavia Neagpolis in Samarien und trat, nachdem er verschiedenen philos. Systemen, zuletzt dem des Plato sich zugewandt hatte, zum Christentum über. Doch blieb er auch als Christ noch Anhänger der Philosophie und suchte mit Hilfe der schon vorher gewonnenen philos. Weltanschauung das Christentum als die vollkommenste Philosophie zu er⸗ . weisen. Seine Schriften sind für die Entwickelung der kirchlichen Glaubenslehre um die Mitte des 12. Jahrh., besonders für die Anwendung der Plartonischen Logoslehre auf die christl. Weltanschauung von größter Wichtigkeit. Die Zeit und die nähern Umstände seines Lebensendes sind ungewiß. Wahrscheinlich erlitt er in Rom, wohin er sich schon früh⸗ „ zeitig begeben zu haben scheint, ums J. 160 den t Märtyrertod. Seine um 145 verfaßte Schrift wider die Gnostiker seiner Zeit, welche noch Irenäus un 53 Hippolyt benutzten, ist verloren gegangen, dagegen 3besitzen wir noch seine 147 verfaßte Apologie an die diri fratres mit einem bald nachher abgefaßten Anhange (der sog. azweiteno 6005. 250 und seinen Dialogus cum Tryphone Judaeoo. Was sonst unter seinem Namen auf uns gekommen ist, stammt nicht von ihm. Die beste Ausgabe sämtlicher unter seinem Namen erhaltener Schriften hat Otto (3 Bde., Jena 1842—46; 3. Aufl., 3 Bde., Jena 1876 fg.), ausführliche Monographien über ihn haben Se— misch (J. der Märtyrerv, 2Bde., Bresl. 1840—42), Aubé («Saint-Justin, philosophe et martyro, Par. 1874), Engelhardt (Das Christentum J. des Märtyrerso, Erlangen 1878) und Stählin (J. der Märtyrer und sein neuester Beurteilerv, Lpz. 1880) geliefert. Um die Chronologie des J. hat sich Volkmar verdient gemacht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 941Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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