Montbeéliard, deutsch Mömpelgard oder Mümpelgard, die Hauptstadt eines Arrondissements des franz. Depart. Doubs und Waffenplatz dritter Klasse, 78 kxm im NO. von Besangon, 58 km westlich von Basel, am Zusammenfluß des Allan und der Lusine, am Rhöne-Rheinkanal und an den Linien Dijon-⸗Belfort und M.⸗Delle der Paris-Lyon-Mittelmeerbahn, in 322 m Höhe gelegen, ist der Sitz eines Gerichtshofs erster Instanz, einer Gewerbe⸗ und einer Ackerbaukammer, hat ein Schloß auf einem hohen Felsen, das jetzt als Gefängnis und Gendarmeriekaserne dient, Markthallen und die sehenswerte Kirche St.⸗Martin mit einem 26 m langen und 16,24 m breiten Plafond, der nicht auf Säulen ruht. Die Stadt zählt (1876) 7625, als Gemeinde 8938 meist prot. C., hat ein prot. Lehrerseminar, ein Kommunal-Collége, eine Bibliothek von 10000 Bänden, ein Archiv mit seltenen Handschriften, ein Naturalienkabinett, eine Gesellschaft zur Beförderung der Künste und Gewerbe, ein Waisenhaus, ein Denkmal des hier geborenen Cuvier und eins für den Obersten Denfert-Rocherau, den Verteidiger von Belfort 1870—71 (enthüllt 21. Sept. 1879). M. ist eine der gewerbthätigsten kleinern Städte Frankreichs. Der bedeutendste Industriezweig ist die Uhrenfabrikation, dann die Baumwollspinnerei und Weberei, Gerberei u. s. w. Lebhaft ist der Handel mit Holz, Brettern, Käse u. s. w. M. war im 10. Jahrh. Hauptort der Grafschaften Sundgau und Elsgau, welche seit 1395 dem Hause Württemberg unter franz. Oberhoheit gehörten, 1793 von den Franzosen in Beschlag genommen und im Frieden zu Luneéville 1801 an Frankreich abgetreten wurden. Die Stadt wie das Schloß wurden 9. Nov. 1870 von Truppen des Generals von Tresckow H. zur Sicherung der Belagerung von Belfort ohne Widerstand besetzt. Im Laufe des November und Dezember fanden in der Gegend um M. mehrfache Gefechte, besonders mit Francs-Tireurs, statt, deren Scharen namentlich 5. Dez. fast ganz zersprengt wurden, sodaß infolge dessen der Ort Dattenried (Delle) besetzt werden konnte. In den denkwürdigen Kämpfen des 15., 16., 17. Jan. 1871 bildete M. einen der Stützpunkte der Werderschen Stellung, deren Mittelpunkt Héricourt war (s. unter Lisaine); 15. Jan. besetzten die Franzosen die Stadt M., doch wurde das Schloß von den Deutschen gehalten und auch die Stadt 16. Jan. wieder zurückerobert.