Valeneiennes, bedeutende Fabrikstadt, Festung und Kriegsplatz erster Klasse im franz. Nord-Departement, an der Schelde, in die hier rechts die Rhondelle einmündet, Station der Linie Paris-Quiévrain der Französischen Nordbahn, die hier nach Anor, Solesmes und Lille abzweigt, über Bruai mit der Lokalbahn Somain-Peruwelz verbunden, mit winkeligen und engen Gassen, hat eine starke, von Vauban 1677 erbaute Citadelle. Die Stadt zählt (1881) 20 636 (Gemeinde 27607) E., ist Hauptort eines Arrondissements, Sitz eines Tribunals erster Instanz, eines Handels- und dreier Friedensgerichte, eines Arbeiterschiedsgerichts, einer Handels- und einer Ackerbaukammer, sowie einer Bankfiliale. An Bildungsanstalten bestehen ein Kommunal,⸗Collége, eine Maler⸗ und Bildhauerakademie mit einer Kunstschule, eine Gemäldegalerie, ein naturhistor. Museum, eine Kunst⸗ und Antiquitätensammlung, eine öffentliche Bibliothek von 25000 Bänden und 870 Handschriften nebst dem Musée Benezech (5000 Bände) und ein Theater. Unter den öffentlichen Anstalten zeichnen sich aus das Militärhospital, das großartige Armen⸗ und Waisenhaus, das Arsenal, die große Kaserne. Unter den Gebäuden sind bemerkenswert Notre-Dame-du-St.⸗Cordon, die Hauptkirche der Stadt, ein moderner Bau im Stil des 13. Jahrh., im Innern reich geschmückt mit schönen Glasmalereien von Lévêque; die got. Kirche St.⸗Gery mit schönem neuen Turm; St.⸗Nicolas, von den Jesuiten im 17. Jahrh. erbaut; das Stadthaus, die Hauptmerkwürdigkeit von V., ein großes Gebäude des 17. Jahrh., dessen monumentale Facade 1867 -68 restauriert wurde; die schöne Marmorstatue des hier geborenen Chronisten Froissart, von Lemaire. Das Steinkohlenbecken von V. nimmt etwa 60000 ha ein und liefert in seinen 62 Gruben 38 Proz. der in Frankreich gewonnenen Kohlen. Im großen wird der Anbau von Runkelrüben und die Fabrikation von Cichorienkaffee betrieben. Dazu kommen Zucker-und Salzraffinerien, Pottasche⸗ und Seifensiedereien, Glasfabriken, Hohöfen, Hammer- und Walzwerke, Schmieden für Kabeltaue, Messer- und Eisenwaren, Wollspinnerei und Weberei, endlich Leinwand⸗, Tüll⸗, Gaze⸗, Batist⸗, Musselin⸗, Linon⸗ und Spitzenmanufakturen. Der letztgenannte Industriezweig liefert die feinsten derartigen Waren (Valenciennes, s. Spitzen), ist aber gegen früher sehr gesunken. Der Handel mit Holz, Steinkohlen, Getreide, Wein, Branntwein und Manufakturwaren ist bedeutend. V. (zur Zeit der fränk. Herrschaft Valencianae, auch Valentiana genannt) ist eine alte wohlhabende Stadt, der Hauptort von Französisch-Hennegau. Es teilte früher die Schicksale des Hennegaus, ward 1006 von Kaiser Heinrich II. und dem franz. König Robert I., 1254 von Margarete von Hennegau, 1477 von Ludwig XI., 1656 von Turenne vergeblich belagert, dann aber 1677 von Ludwig XIV. genommen und durch die Friedensschlüsse von Nimwegen und Utrecht mit Frankreich vereinigt. Denkwürdig ist auch die heldenmütige Verteidigung der aufständischen Stadt gegen die Spanier, welche V. am 2. April 1567 nach einem damals unerhörten Bombardement eroberten. Nach harter Belagerung (13. Juni bis 28. Juli) eroberten sie 1793 die vereinigten Österreicher und Engländer unter Ferraris und Vork, verloren sie aber schon 17. Aug. 1794 an die Franzosen unter Schéerer. Von den Preußen wurde sie 24. Juni 1815 eingeschlossen und 18. Aug. durch Kapitulation gewonnen. — Das Arrondissement Valenciennes zerfällt in 7 Kantone mit 82 Gemeinden und zählt (1881) 203 932 E.