FeedMontblane
ErdkundeBrockhaus 1882

Montblane, der höchste Berg Europas, erhebt sich an der Grenze von Frankreich (Depart. Haute-Savoie) und Italien (Provinz Turin), auf der Wasserscheide zwischen dem Rhöne⸗ und dem Pogebiet zu 4810 m Höhe über dem Meere. Zu den Savoyeralpen gehörend, bildet er mit seinen Nachbarn ein besonderes Massiv derselben, welches sich in Gestalt eines langgestreckten Trapezes, 50 km lang, durchschnittlich 15 Km breit, vom Mont-Joiethal und dem Col du Bonhomme (2455 m) nordöstlich bis zur untern Dranse erstreckt, im NW. begrenzt durch das Chamonixthal und den Col de Balme (2204 m), im SO. durch den Col de la Seigne (2532 m), die Allée blanche und die beiden Ferretthäler. Das Massiv, welches fast ganz krystallinisch ist und ausgezeichnete Fächerstruktur aufweist, besteht aus einem Kern von Protogin, umgeben von Gneis und Glimmerschiefer. Die Gipfel sind teils abgerundete Kuppen oder Dome, teils schroffe, zackige Felsnadeln (aiguilles). Die Hauptkette, welche im M. gipfelt, steigt als hohe vergletscherte Felsenmauer auf der Wasserscheide zwischen der Arve und der Dora-Baltea (s. d.) auf, fällt nach SO. steil ab und entsendet gegen NW. hohe Zweigketten, welche durch Gletscherthäler und Firnmulden voneinander getrennt werden; in ihr erheben sich die Aiguille de Trelatete (3932 m) und der Döme de Miage (3688 m) südwestlich, der Mont-Maudit (4771 m), die Aiguille du Géant (4010 m), die Felsmauern der Grandes und der Petites Jorasses, die Aiguilles de Talefre (3745 m) und de Triolet (3879 m) und der Mont-Dolent (3830 m) nordöstlich vom M. In den nordwestl. Zweigketten, welche der Hauptkette wenig nachstehen, erreichen der Döme du Gouter 4331 m, die Aiguille Verte 4127 m, die Aiguille d'Argentiere 3901 m Höhe. Da die Kammhöhe nur an den äußersten Enden unter 3300 m sinkt, finden sich leicht gangbare übergänge nur am Rande des Massivs; quer über dasselbe führen hohe und beschwerliche, oft gefährliche Gletscherpfade, wie der Col du Geéant (3364 m), der Col de Miage (3376 m) und der Pas d'Argentiere (3524 m). Von den 30 Gletschern des Massivs sind die wichtigsten der Gletscher von Argentiere, der Boisgletscher mit dem Mer de Glace und der Bossonsgletscher im W., der Trientgletscher im N. und die Gletscher de Miage, de la Brenva, du Mont-Dolent und de Saleinoz im O. Die Gewässer fließen durch die Arve, den Trient, die Dranse und die Isere dem Rhöne, durch die Dora-Baltea dem Po zu. Seitdem 1786 der Führer J. Balmat zuerst allein, dann mit Dr. Paccard, 1787 Horagce Benoit de Saussure mit 18 Führern den M. bezwungen haben, wird die Besteigung, welche zwar mühsam und kostspielig, aber bei gutem Wetter nicht gerade schwierig ist, sehr häufig, öfters auch von Damen gemacht. Als Nachtquartier für die Besteiger dient gewöhnlich das kleine Bergwirtshaus der Grands Mulets (3050 m), einer Felsinsel im Bossonsgletscher, von welcher aus der höchste Gipfel (Le Monarque) in 6—8 Stunden erreicht wird. Derselbe bildet einen langen, von W. nach O. streichenden Schneerücken von wechselnder Breite und bietet eine unermeßliche Aussicht, die in Frankreich, Italien und der Schweiz ein Gebiet von mehr als 200000 qkm umfaßt und im W. bis Lyon und Langres, im N. bis zum Schwarzwald reicht. In neuerer Zeit wird der M. oft auch von St.⸗Gervais und von der Allée blanche aus, besonders häufig aber von Courmayeur (s. d.) aus über den Col du Geéant und die Abhänge des M. du Tacul und des Mont-Maudit bestiegen. Vgl. Pitschner,Der M.v»(Genf 1860; Lpz. 1864); Viollet de Due, «Le massif du M.» (Par. 1876) Durier, Le M.y (Par. 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 835Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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