FeedAiguille
ErdkundeBrockhaus 1882

Aiguille (d. h. Nadel) heißt im franz. Sprach-Beroe der Alpen ein steiler, nadelförmig zugespitzter erggipfel. Der Name bezeichnet eine ähnliche, jedoch noch schärfere und schlankere Gipfelform als das Wort Dent (s. d.) oder Zahn (in den deutschen Alpen: Horn). Besonders häufig sind die A. im Montblanc-Massiv, wo sich in der Hauptkette süd-Ind de vom Montblane die A. du Glacier (3834 m) und de Trelatéte (3932 m) nordöstlich von demselben die A. du Geant (4010 m), die A. de Triolet (3878 m) und die A. dArgentieres (3901 m) erheben, während in den westl. und nördl. Ausläufern die A. de Bionnassay (4061 m) und die A. du Goüter (3873 m), weiterhin die A. du Midi (3843 m) und die A. du Plan (3673 m), die A. Verte (4127 m), die A. du Dru (3815 m) u. s. w. aufragen. Dem MontblancMassiv gegenüber zieht sich auf der rechten Seite des Chamonixthals die zackige Felsmauer der A. Rouges hin. In den Grajischen Alpen erhebt sich nördlich vom Col d'Iseran die A. de la Sassiere (3765 m), in der Kette der Rousses zwischen dem Mont-Cenis und Grenoble ragen die beiden A. d'Arve (3516 und 3511 m) auf, und in den Alpen von Oisans ist die A. du Midi oder la Medje mit 3989 meeine der höchsten Spitzen. Unweit der Station Clelles der Eisenbahn von Grenoble nach Gap erhebt 2 isoliert der Mont-A. (2097 m), ein ungeheuerer Kalkfels in Form eines schief abgestutzten Kegels. Früher auch als Mont-Inaccessible, d. h. unbesteiglicher Berg, bekannt und zu den sieben Wundern des Dauphiné gezählt, wurde der Ber zum erstenmal 1492 beim Zu e Karls VIII. nach Neapel, dann wieder 1834 Indseither öfter bestiegen. Zur Erleichterung der Besteigung sind an den steilsten Stellen der Felswände eiserne Krampen und Drahtseile angebracht worden. Auch in der Schweiz gibt es mehrere A.: so wiederholt sich der Name der A. Rouges auf der Westseite des Arollathals südlich von Sitten im schweiz. Kanton Wallis, und auf der Ostseite desselben Thals igt die A. de la Za, eine der schlanksten Felsnadeln der Alpen, zu 3673 m auf. Im Waadtländer Jura, bei dem Dorfe Beaulmes westlich von Pverdon, erhebt sich die 1519 m hohe A. de Beaulmes. iguillon (lat. Acilio), alte Stadt im franz. Depart. Lot-Garonne, am Lot kurz vor dessen Vereinigung mit der Garonne Gsenbahn poa einen Hügel hinaufgebaut, an der Eisenbahn von Bordeaux nach Cette, 28 km nordwestlich von Agen in der Landschaft Agenois gelegen, zählt (1876) 1993 (Gemeinde 3596) E., die namentlich 30d de lichen Weinhandel treiben. Bemerkenswert sind die Reste eines alten, festen Schlosses mit gewaltigen Mauern und Türmen, und ein neueres, im ital. Stil erbautes Schloß der Herzöge von A. An der Kirche befindet sich eine 10 m hohe röm. Mauer mit vier Arkaden, 2 km von A. entfernt die massige röm. Tour de St.⸗Cöme oder die pon W e, vielleicht ein Grab. A. ward 1345 — 46 von Johann dem Guten, dem Sohne König Philipps VI., 15 Monate lang belagert und von den Engländern verteidigt. Hierbei sollen in Frankreich zuerst Kanonen in Anwendung gekommen sein.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 275Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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