Monte-Rosa, nächst dem Montblanc (s. d.) der höchste Gebirgsstock der Alpen, erhebt sich an der Grenze des schweiz. Kantons Wallis und der ital. Provinzen Turin und Novara, auf der Wasserscheide zwischen dem Rhöne- und Pogebiet zu 4638 m Höhe über dem Meere. Zu den Penninischen Alpen gehörend, deren größtes Gletschergebiet ihn umgibt, zieht er sich als mächtige eisgepanzerte Felsmauer von S. nach N., im O. fast senkrecht 2500 m tief zum Cirkusthal von Macugnaga abstürzend, nach W. allmählich zum Sammelgebiet des Gornergletschers sich senkend. Obwohl sein höchster Punkt vom Montblanc um 172 m überragt wird, ist doch der M. der gewaltigste Gebirgsstock der Alpen. Von seinen acht Hauptgipfeln ist keiner niedriger als 4000 m und die tiefste Lücke in seinem Grat, das alte Weißthor (3576 m), liegt 200 m höher als die durchschnittliche Kammhöhe des Montblanc. Die Kette beginnt im S. am Col d'Ollen (2909 m) und schwingt sich rasch zur vergletscherten Vincentpyramide (4211 m) auf; dieser folgen östlich vom Lysjoch (4280 m) nahe beieinander das Schwarzhorn (4324 m) und die Ludwigshöhe (4344 m), nordöstlich von dieser die Parrotspitze (4443 m). Die Signalkuppe erreicht 4561 m, die Zumsteinspitze 4573 m Höhe und mit der Dufourspitze (4638 m) und dem Nordend (4612 m) gipfelt der Grat. Nach N. setzt sich die Kette, allmählich niedriger werdend, mit dem Jägerhorn (3975 m), dem Fillarhorn (3679 m) und der vielbesuchten Cima di Jazzi (3818 m) bis zum Schwarzberg-Weißthor (3512 m) fort, wo sich die Kette der Mischabelhörner (s. d.) anschließt. Eine ähnliche vergletscherte Felsmauer zieht sich westlich vom Lysjoch bis zum Matterjoch oder Theodulpaß und gipfelt mit dem 4538 m hohen Lyskamm. Die größten Gletscher des Gebietes sind im S. der Lysgletscher, im O. der Sesia- und der Macugnagagletscher, im N. der Schwarzberg⸗ und der Findelengletscher und im W. der Gornergletscher (s. d.). Die Gewässer fließen dem Rhöne durch die Gorner- und Sgaservisp, dem Po durch die Dora-Baltea, die Sesia und die Toce (Tessin) zu. Wie am Montblanc, liegen auch hier die gangbaren Pfade am äußersten Rande des Massivs, so im W. das Matterjoch, zwischen Zermatt und Val Tournanche, im S. der Col des Cimes-blanches (3021 m), die Furca di Betta (2688 m) und der Col d'Ollen, welche die Thäler Tournanche, Challant, Gressonay und Alagna (Sesia) verbinden; im O. der Turlopaß (2770 m) zwischen Alagna und Macugnaga (Anzasca) und der Monte-Moro (s. d.). Sind schon diese Pässe hohe und rauhe Fels⸗ und Gletscherpfade, so gehören die über die Kette selbst führenden Joche zu den höchsten und schwierigsten Alpenübergängen, so das Schwarzthor (3741 m) zwischen Zermatt und Val Challant, das Lysjoch etwa 4000 m zwischen Zermatt und Val Gressonay, das Sesiajoch (etwa 4300 m) zwischen Zermatt und Alagna und die Weißthore zwischen Zermatt und Macugnaga. Das Gestein der Monte-Rosa-Kette ist Gneis, welcher oben in Glimmerschiefer ubergeht und rings von einer oft unterbrochenen Zone grauer und grüner Schiefer, Serpentine und Hornblendegesteine umsäumt wird. Trotz seiner Höhe ist der M. nicht allzu schwierig zu besteigen und alle seine Spitzen haben im Verlauf der letzten 60 Jahre ihre Bezwingung gefunden. Die Dufourspitze wurde zuerst 1855 von den Gebrüdern Smith aus Harmouth bestiegen. Die Aussicht vom M. reicht über den ganzen Kranz der West⸗ und Centralalpen bis zum Ortler, umfaßt die lombard. Tiefebene bis über Mailand hinaus und erstreckt sich über den Apennin bis zum Ligurischen Meere. Vgl. Welden, «Der M.» (Wien 1824); Schlagintweit, KReue Untersuchungen u. s. w. » (Lpz. 1854); Studer, über Eis und Schnee (Bd. 2, Bern 1870).