Mont-Cenis (lat. Mons Cenisius), ein Gebirgsstock auf der Grenze Frankreichs (Depart. Savoie) und Italien (Provinz Turin), zwischen den Thälern des Arc und der Dora-⸗Riparia gelegen, bildet den Knoten der Grajischen und der Cottischen Alpen und besteht aus einer 8 kmelangen, nach Süden geneigten wellenförmigen Hochfläche, welche von der Roche-Melon (3584 m) östlich, und dem Mont d'Ambin (3383 m) westlich überragt wird. Über das Plateau führt ein seit den ältesten Zeiten bekannter Alpenübergang. Die Mont-Cenis-Straße, an der Stelle des alten Saumwegs 1803—10 erbaut, von Modane bis Susa 60 kmnlang, zweigt bei Modane (1078 m) von der Bahnlinie Chambéry-Turin ab und steigt hoch über dem Arc durch das Thal der Maurienne in östl. Richtung nach Lans-le⸗-Bourg (1398 m) hinauf, wendet sich hier nach S. und erreicht in sechs langen Windungen die Paßhöhe (2098 m über dem Meere, 33 Em von Modane), welche eine schöne Aussicht auf die Alpen der Tarentaise gewährt. Jenseit der Höhe breitet sich das Wiesenplateau Madeline aus, in welchem unfern des kleinen Mont-Cenis-Sees der Weiler Les Tavernettes (1964 m) liegt, bei dem der rauhe Saumweg des kleinen M. in die Hauptstraße einmündet. Etwas weiter liegt ein großes Benediktinerhospiz, zur Hälfte Kaserne, und am Rande des Plateau der Weiler La Grande Croix (1850 m), von welchem die Straße, der schäumenden Cenise folgend, in vielen Windungen sich nach Susa (495 m) hinabzieht. Den Reisenden gewähren 23 Zufluchtshäuser (refuges) Schutz bei Unwetter; große hölzerne Kreuze dienen zur Bezeichnung des Wegs bei tiefem Schnee. Seit der Eröffnung des Mont-Cenis-Tunnels der Linie Lyon-Chambéry-⸗Turin, welcher 24 km südwestlich der Paßhöhe den Kamm des Col de Fréjus durchbricht, hat der Wagenverkehr auf der Mont-Cenis-Straße fast aufgehört, sowie auch die 1866—68 mit Benutzung der Straße nach dem Fellschen System erbaute provisorische Bahn über den M. aufgegeben worden ist. Der Tunnel, 1857—70 unter der Leitung der Inge—⸗ nieure Sommeiller, Grattoni und Grandis durch den Berg gebrochen, 1871 dem Betrieb übergeben, ist zweispurig angelegt, 8 m breit, 6m hoch und 12,2 km lang; sein nördl. Eingang bei Modane liegt 1158 m, die südl. Mündung bei Bardonnoche 1291 müber dem Meere. Das Gestein, vorherrschend Kalkschiefer und Kalkstein, abwechselnd mit Quarzit, Anhydrit, Talk-und Kohlenschiefer, wurde mit eigens hierfür von Sommeiller konstruierten Bohrmaschinen, welche durch komprimierte Luft in Bewegung gesetzt wurden, durchbrochen. Die Kosten beliefen sich auf nahezu 75 Mill. Frs.