FeedMontesquiou-Fezensae
GeschichteBrockhaus 1882

Montesquiou-Fezensae, eine der ältesten, vielleicht die älteste franz. Adelsfamilie. Sicher läßt sich die Abkunft der alten Grafen von Fezensac von Sancho Mittara, Herzog von Gascogne, der gegen Ende des 9. Jahrh. lebte, nachweisen. Das Haus zerfiel später in zwei Linien: die Linie von Marsan, welche 1777 die Würde der Grafen von Fézensac, 1815 die Pairschaft, 1821 die Herzogswürde erlangte, und die Linie von Artagnan, die sich 1443 vom Hauptstamm loslöste. In neuerer Zeit wurden besonders bekannt: M.⸗Feézensac (Frangois Xavier Mare Antoine, erster Herzog von), fränz. Minister unter Ludwig XVIII., geb. 1757 auf Schloß Marsan bei Auch. Er war Abbe und Generalagent des Klerus, als ihn die Geistlichkeit 1789 zur Versammlung der Generalstände abordnete. Im J. 1790 zweimal zum Präsidenten der Nationalversammlung erwählt, widerstand er eifrig der völligen Aushehung religiöser Orden und der Einführung der Civilkonstitution des Klerus. Nach dem 10. Aug. 1792 wanderte er aus, und das Revolutionstribunal verdammte ihn zum Tode. Unter dem Direktorium kehrte er zurück und richtete den berühmten Brief an den Konsul Bonaparte, in welchem derselbe angegangen wurde, den Thron für die Bourbons wiederherzustellen. Nach der ersten Restauration wurde er Mitglied der Provisorischen Regierung, 13. Mai 1814 Minister des Innern, 17. Aug. 1815 mit der Pairs⸗ und 30. April 1821 mit der Herzogswürde bekleidet. Er starb 4. Febr. 1832 auf dem Schloß Cirey. Seines ältern Bruders Sohn, Anatole, Graf von M.⸗Fézensac, geb. 8. Aug. 1788, seit 1813 Oberst, 1831 Maréchal-de-Camp und seit 1841 Pair von Frankreich, war am Hofe Ludwig Philipps Ehrencavalier der Königin und begleitete im Febr. 1848 die Herzogin von Orléans mit ihren Söhnen auf der Flucht über den Rhein. Er hat sich durch poetische Arbeiten, darunter die religiöse Dichtung Moyse (2 Bde., Par. 1850 u. 1864) bekannt gemacht. Er starb 22. Jan. 1878 auf Schloß Courtanvaux (Depart. Sarthe). Anne Pierre, Marquis von M.⸗Fézensac, General der franz. Republik, geb. zu Paris 17. Okt. 1739, war beim Ausbruch der Revolution Oberstallmeister bei Monsieur und Mareéchalde-Camp. Der Adel von Paris schickte ihn in die Nationalversammlung. Zum Oberbefehlshaber der Armee des Südens ernannt, fiel er 22. Sept. 1792 in Savoyen ein und besetzte das Land ohne Blutvergießen. Er starb zu Paris 30. Dez. 1798. M. hat sich auch litterarisch beschäftigt und einige gut versifizierte Dramen, sowie eine finanz-polit. Arbeit Du gouvernement des finances de Franceo (Par. 1797) veröffentlicht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 844Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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