Fouche (Joseph), Herzog von Otranto, wurde als Sohn eines Schiffskapitäns 29. Mai 1763 bei Nantes geboren, erhielt daselbst bei den Vätern des Oratoriums den ersten Unterricht und trat dann in das Oratorium zu Paris, wo er sich für das Lehrfach bestimmte. Als die Revolution ausbrach, war er Lehrer der Philosophie zu Nantes. Da er nicht in den Orden aufgenommen war, heiratete er, wurde Advokat und vom Depart. Unterloire in den Konvent gewählt. Hier stimmte er für den Tod des Königs und begleitete Nov. 1793 als Konventsmitglied die Kommissare des Wohlfahrtsausschusses nach Lyon, wo das grauenhafte Blutgericht mit von ihm geleitet wurde. Nach seiner Rückkehr * sich den Haß Robespierres zu, weshalb er auch Ursache hatte, den Sturz desselben zu fördern. Dennoch erlag auch er als Anhänger des Schreckens v den heftigsten Anklagen. Er wurde im Aug. 1795 aus dem Konvent gestoßen und bis zur Amnestie im Oktober gefangen gehalten, worauf er als Privatmann lebte. Im Sept. 1798 schickte ihn der Direktor Barras als Gesandten an die Cisalpinis che Republik nach Mailand. Hier suchte er mit General Brune einen Umsturz der Verfassung durchzusetzen, weshalb beide abberufen wurden. F. erschien erst im Jan. 1799 wieder zu Paris, nachdem die Politik Barras' die Oberhand behalten hatte, und wurde Gesandter in Holland. Schon im Juli wurde er indes zum Polizeiminister ernannt. Hiermit begann die Entfaltung seines großen Talents und sein bedeutender Einfluß auf die innere Politik Frankreichs. Mit rastloser Thätigkeit suchte er die Ruhe im Innern herzustellen. Nach dem 18. Brumaire organisierte er die absolute Polizeiherrschaft, zu der er die Mittel meist aus der Spielpacht entnahm. Die neue Regierung hielt er von Gewaltthaten zurück, auf seinen Rat wurde die Emigrantenliste geschlossen und eine allgemeine Amnestie proklamiert. Die Attentate war er mehr zu verhindern als zu bestrafen bedacht. Dies machte ihn dem Ersten Konsul verdächtig, der ihn im Dez. 1802 plötzlich seines Amts entsetzte. Zur Abfindung erhielt F. die einträgliche Senatorie von Aix und die Hälfte des Polizeireservefonds. Wie scharf er übrigens die damalige Lage Bonapartes begriff, beweis ein histor. gewordenes Wort über die Hinrichtung des Herzogs von Enghien: 4Cest plus qu'un crime, c᷑est une faute.v Schon im Juli 1804 wurde F. wieder an die Spitze der Polizei gestellt. In den Kriegen und bei der häufigen Abwesenheit des Kaisers gab ihm diese Stellung eine große Macht. Napoleon hatte ihn bereits zum Grafen ernannt, und nach dem österr. Kriege verlieh er ihm den Titel Herzog von Otranto mit reichen Dotationen im Neapolitanischen. Nichtsdestoweniger fuhr F. fort, die maßlosen Entwürfe Rapoleons zu bekämpfen, sodaß er von neuem lästig und verdächtig wurde. Im Juni 1810 mußte er sogar das Polizeiministerium niederlegen. Im Feldzuge von 1813 rief der Kaiser ihn ins Haupt-Gouver nach Dresden, schickte ihn von hier als ouverneur der illyr. Provinzen nach Laibach und nach der Schlacht bei Leipzig nach Rom und Neapel, um die Schritte Murats zu bewachen. Nach der Restauration der Bourbons drang F. auf Anerkennung der faktischen Zustände und auf allgemeine Versöhnung, und zog sich, als diese Politik nicht befolgt wurde, ins Privatleben zurück. Als die Landung Napoleons bekannt wurde, wollten ihm die Bourbons das Polizeiministerium aufdringen, und da er dies verweigerte, befahl der flüchtende Hof seine Verhaftung, der er jedoch zu entgehen wußte. Bei der Ankunft Napoleons riet er demselben, den Kaisertitel abzulegen und als Generalissimus an die Spitze der Republik zu treten. Er übernahm dann zwar das Polizeiministerium, täuschte sich aber nicht über den Ausgang der Dinge. Nach der Schlacht von Waterlod betrieb er die zweite Abdankung Napoleons und suchte ihn zur Flucht nach den Vereinigten Staaten zu bewegen. Er stellte sich an die Spitze der Provisorischen Regierung, vermittelte die Kapitulation von Paris und leitete den Abzug der Armee hinter die Loire. Ludwig XVIII. übertrug ihm von neuem das Polizeiministerium; doch legte er im Sept. 1815 sein Portefeuille nieder und ging als Gesandter nach Dresden. Als ihn das Verbannungsdekret vom 12. Jan. 1816 gegen die sog. Königsmörder traf, ging er nach Prag, dann nach Linz und Triest, in welchem letztern Ort er 26. Dez. 1820 starb. Die Mémoires de F., Duc d'Otranto (4 Bde., Par. 1828—29) wurden von F.s Söhnen für unecht erklärt; sie sind nach authentischen Quellen von Beauchamp verfaßt. —— (Paul Henri), franz. Schriftsteller, geb. zu Paris 21. April 1810, schrieb in den J. 1831—34 unter dem Einflusse seines Schwagers Victor Hugo eine Anzahl Erzählungen (Sayneteso, La misère dans Iamour „, Les passions dans le mondey, „Tout ou rieno). Schon 1830 war er mit einem histor. Drama in Versen: Vseult Raimbauldy, aufgetreten. In der Folge verfaßte er noch mehr als 60 Stücke, darunter: Caravager (1834), „Jeanne de Naples (1837), &Les chevaux du carrouselo (1839), Le pacte de faminen (1839, mit Elie Berthet), La justice de Dieu (1845, mit Anicet Bourgeois), 4Notre-Dame de Paris v (1850), ein aus dem Hugoschen Roman gezogenes Drama, welches 1868 verboten, 1879 aber mehr als 100 mal hintereinander aufgeführt wurde, „La bonne aventuren La bande noirer (1866) u. s. w. F. schrieb auch ein Trauerspiel: Don Sébastien de Portugalo (1839), den Text zu Opern und Balletts und viele litterarische Plaudereien und Feuilletons, welche er in zwei Bänden: Entre cour et jardin o (1867) und „Les coulisses du passén (1873), herausgab. F. starb zu Paris 24. Jan. 1875. — Sein Sohn, Paul F., ist einer der Hauptredacteure der 1869 begründeten pariser Zeitung Nationaby.