Montmartre, Anhöhe und Stadtteil auf der Nordseite von Paris (s. d.). Der Stadtteil, früher eine gleichnamige und zur pariser Banlieue gehörige Stadt mit mehr als 90000 E., bildet seit 1860 einen Teil des 18. Arrondissements (Buttes-Montmartre) und dehnt sich zwischen den nach Clichy und St.⸗Denis führenden Straßen bis an die Ringmauer der Hauptstadt aus. Der Berg, von dessen Höhe (100müber der Seine) herab man ganz Paris und eine weite Strecke der umliegenden Gegend übersieht, soll in der röm. Zeit von einem daselbst dem Mars geweihten Tempel Mons Martis geheißen, nachher aber den Namen Mons Martyrum erhalten haben, weil am Fuße desselben der heil. Dionysius und seine Glaubensgenossen den Märtyrertod erlitten. Er enthält reiche Gipsaunhen, die sowohl in Hinsicht ihrer vortrefflichen Qualität als in der Art ihres Betriebes merkwürdig sind. Ludwig VI. gründete hier 1147 eine Benediktinerabtei, die erst durch die Revolution aufgehoben wurde; die Gebäude bestehen zum Teil besonders die Kirche (St.⸗Pierre). Am westl. — hange dehnt sich auf weitem Raum über alte 422 brüche der gleichnamige Kirchhof (Cimetière de M. oder du Nord), der älteste der heutigen pariser Beerdigungsplätze, aus. Nach dem M. sind ferner im nördl. Teile von Paris eine Hauptstraße, ein Boulevard und eine Vorstadt (Faubourg) genannt. Am 30. März 1814 beendigte die Hientmd des M. durch die schles. Armee (Korps Kleist und Langeron) die Schlacht bei Paris, das von ihm aus militärisch fast ganz zu beherrschen und artilleristisch zu bestreichen ist. Bei der Belagerung der franz. Hauptstadt von 1870/71 wurde dem M. nicht mehr Aufmerksamkeit als den übrigen Stadtteilen zugewandt, dagegen bemächtigten sich nach dem Waffenstillstand mit dem deutschen Hauptquartier in den ersten Tagen des März 1871 die Nationalgarden von M. eines in der Ebene von Monceaux gelegenen franz. Artillerieparks, dessen Geschütze nach der Anhöhe hinaufgeschafft und hier in einem verschanzten Lager bewacht wurden. Der M. mit einem Artilleriepark von 150 Kanonen und Mitrailleusen blieb sodann bis zum 25. Mai in den Händen der pariser Commune, deren Nationalgarden und Freikorps an jenem Tage von den Truppen aus Versailles (Korps Ladmirault) vertrieben oder gefangen genommen wurden.