Montpellier, Hauptstadt des franz. Depart. Herault im aupeun Languedoc, liegt 11,2 Em vom Mittelmeer auf einem Hügel in 44,3 m Höhe an dem kanalisierten, jetzt vertieften und mit dem Canal du Midi und dem Meer bei Palavas verbundenen lüßchen Lez, Station der Linie Tarascon-Cette der aris-Lyon-Mittelmeerbahn, der Linie Poulhan-M. der Südbahn und der Heraultbahn M.⸗Palavas. Sie ist der Sitz eines Bischofs und eines reform. Konsistoriums, eines Appellationshofs, eines Assisenhofs, eines Tribunals erster Instanz, eines Handelsgerichts und dreier Friedensgerichte, einer Handels⸗ und Ackerbaukammer, eines Akademiebezirks für fünf Departements und der Hauptort des 16. Armeekorps. Die Stadt hat eine Citadelle, 22 Kirchen, darunter eine reformierte, und zählt (1881) 52 673 E., davon 3000 Protestanten. Die eigentliche Stadt hat schmale, steile und zum Teil winkelige, aber reinliche Straßen mit guten Häusern; durchaus regelmäßig und schön gebaut sind dagegen die Vorstädte. Im ganzen ist M. eine der schönsten Städte Südfrankreichs. Eine Zierde des Ortes ist der 1685 — 1785 ausgeführte, mit hübschen Anlagen und einem Wasserschloß versehene und mit einer bronzenen Reiterstatue Ludwigs XIV. geschmückte öffentliche Platz Peyrou, von wo man die Pyrenäen, das Meer, die Cevennen und den Mont-Ventoux jenseit Avignons erblickt. Die Stadt ist 8 km weit von einer schönen Campagne mit Gärten, Obstpflanzungen und Landhäusern umgeben. Unter den öffentlichen Gebäuden zeichnen sich aus: der w1364 erbaute Dom St.⸗-Peter, die 1858 begonnene und 5. Jan. 1875 eingeweihte Kathedrale, der 1846 erbaute Justizpalast mit den Statuen des Kardinals Fleury und des Erzkanzlers Cambacérès, die Präfektur, die elegante Börse, das Stadthaus, das Theater, die mediz. Schule. Bemerkenswerth sind noch der 1712 erbaute Triumphbogen oder das alan du Peyrou und die 1753—66 angelegte 1 km lange, 21 mehohe prächtige Wasserleitung. Die Stelle der frühern, 1292 gestifteten Universität vertreten jetzt die drei Fakultäten der Medizin, der exakten und der schönen Wissenschaften. Die mediz. Fakultät wurde von arab. Arzten gegründet, welche, aus Spanien vertrieben, bei den Grafen von M. gastliche Aufnahme fanden. Die Anstalt besitzt eine Bibliothek von 50000 Bänden und 600 Handschriften, ein anatom. Museum und einen herrlichen botan. Garten, den ältesten (seit 1593). Außerdem hat M. eine höhere Schule für Pharmacie, ein Lyceum, ein Priesterseminar, ein Lehrer-und Lehrerinnenseminar, höhere Freischulen für Handelswissenschaften und Industrie, für Zeichen⸗‚Maler⸗, Bildhauerkunst, Architektur und Musik, eine Blinden⸗, eine Taubstummen⸗ und andere gemeinnützige Anstalten, eine öffentliche Stadtbibliothek von 60000 Bänden, das Museum Fabre für Gemälde und Zeichnungen, zwei andere für Artilleriegegenschafte und für Naturalien, eine Sternwarte, Gesellchaften für Kunst und Wissenschaft, endlich ein roßes allgemeines Krankenhaus, ein Hospital, ein aisenhaus, ein Hospiz für Geisteskranke, ein Zellengefängnis, ein Centralgefängnis u. s. w. Großartig ist die Fabrikation von Grünspan, Cremor tartari und andern Chemikalien, von Wachskerzen und Seife im nahegelegenen Villodeve (jährlich für 10 Mill. Frs.), von weltberühmtem Branntwein (Troixsix), von Liqueuren, Asynthextrakt, Essenzen, Olen, Chokolade. Ferner fertigt man Wägeinstrumente, Twiste, Flockseide, wollene und baumwollene Decken, Flanell und andere Stoffe, Korkpfropfen, feinere Lederwaren, Buntpapier u. s. w. Endlich gibt es Eisen⸗ und Kupfergießereien, Wachsbleichen und Gerbereien. Jährlich werden zwei Messen gehalten. Die Hauptgegenstände des Handels sind die eigenen Landesert span. Produkte, Südfrüchte und andere Landeserzeugnisse. M. (im Mittelalter lat. Mons Pessulanus oder Mons Pestellarum, in Languedoc Mont-Peylat, d. h. der verwahrte Berg) soll von Flüchtlingen aus Maguelone gegründet sein; jedenfalls blühte es. frühzeitig zu einer bedeutenden Stadt empor. Es wurden daselbst 1162— 1258 fünf Konzile gehalten. Nach dem Aussterben seiner eigenen Herren kam M. gegen Ende des [r 13. Jahrh. durch Erbschaft an diejKönige von Ara-1 gonien und von diesen an die von Majorca, denen es 1350 Philipp VI. von Frankreich abkaufte. Un-1 ter Heinrich III. wurde es ein Hauptsitz der Hugenotten und unterwarf sich erst nach langer Belage-e rung 1622 der Regierung. Vgl. Serre, «Histoire abrégée dela villede M.v(Montpellier 1873); Aigrefeuille, Histoire de la ville de M.v (Par. 1877).