Melun, sehr alte Hauptstadt des franz. Depart. Seine-Marne, 45 km im SSO. von Paris, nahe am schönsten Teil des Waldes von Fontainebleau, Station der Paris-Lyon-Mittelmeerbahn und der schiffbaren Seine gelegen, durch welche die Stadt in drei Teile geschieden wird, ist Sitz eines Tribunals erster Instanz, eines Assisenhofs und zweier Friedensgerichte, sowie einer Kammer für Landwirtschaft, hat zwei alte Kirchen, ein 1848 vollendetes Stadthaus mit dem 1860 errichteten Standbild Amyots, ein Kommunal-Collége, ein Lehrerseminar, eine Handwerkerschule, eine Ackerbau⸗ und eine Gartenbaugesellschaft, ein großes Centralgefängnis für 1150 Sträflinge und zählt (1881) 12 145 E., die viel Gewerbfleiß entwickeln. Es bestehen Baumwollspinnereien, Fabriken für Kalikos, gedruckte Zeuge, Wollstoffe, Knöpfe, Seiden- und Filzhüte, für Steinmörtel zu Statuen, für hydraulischen Kalk, Ziegel, Rübenzucker, Leder und Ackergeräte. Auch unterhält der Ort starken Handel mit Holz, Kohlen, Korn und Mehl, mit Geflügel, Schlachtvieh und Käsen aus der Brie. M. ist das gallisch-röm. Melodunum, von welchem 1864 die Reste eines Merkurtempels aufgefunden wurden. Im J. 866 eroberten und verheerten es die Normannen; unter den Capetingern war M. gewöhnliche Königsresidenz. König Philipp VI. gab die Stadt an seine Gemahlin Blanca von Navarra, durch welche sie 1358 an deren Bruder, Karl den Bösen, kam. Der Dauphin und Dugueselin entrissen sie 1364 dem tapfern Verteidiger Mareuil. Während der Belagerung durch Heinrich V. von England (1420) unterzeichnete Karl VI. im Lager den Vermählungsvertrag seiner Tochter mit jenem König. Erst 1430 wurde die Stadt mit Hilfe der Jeanne d'Are von den Engländern befreit. Durch die Unruhen der Fronde wurde M. hart mitgenommen und fast verödet. Im J. 1709 ward die Vizegrafschaft M. in ein Pairie⸗-Herzogtum für Villars verwandelt. Bis zur Revolution galt M. als Hauptort der Landschaft Gätinais-Frangais in Isle-de-France.