FeedMaranhäo oder Maranham
ErdkundeBrockhaus 1882

Maranhäo oder Maranham, eine der nördlichen Provinzen Brasiliens, zwischen dem Atlantischen Meer im NO., Grão Parà im NW., Goyaz im W. und SW., Piauhy im S. und O. gelegen, von der ersten dieser Provinzen durch den Rio Gurupy, von der letzten durch den Parnahyba getrennt, wird durch den 500 km langen und in ein großes Ästuar, die Bai von Säo-Marcos, mündenden Fluß Maranhäo oder Mearim und den fast ebenso langen, etwas östlicher in die Bai von Säo-José fallenden Itapicuru bewässert. Die Provinz hat eine Küstenlinie von etwa 600 Em, dehnt sich ins Innere 900 kmeweit aus und nimmt ein Areal von 459884 qkm ein, auf welchem sie (1883) 430059 E., darunter 60059 Sklaven, zählt, ungerechnet die im Süden lebenden unabhängigen Indianer. Sie hat 8 Cidades, 30 Villas, 38 Municipios, 140 Elementar-⸗ und 12 andere Schulen. Das Land ist die westl. Fortsetzung der Ebene des Parnahyba, aber hügeliger als Piauhy. Die Flüsse, die meist das Trinkwasser liefern, sind groößtenteils schlammig und treten in der nassen Zeit (Dezember bis Juni) über, wobei das ganze Land im üppigsten Grün prangt. In der trockenen Zeit hat nur die Küste grüne Stellen, während das ganze Innere eine Wüste ist, in der die Vegetation erstorben. Das Klima ist heiß, aber gilt als gesund. Im nördl. und mittlern Teile der Provinz treibt man Ackerbau und Viehzucht, im südlichen fast nur letztere; im Westen gewinnt man Zuckerrohr, Reis, Bananen, Mais, Yams, Manioc und Südfrüchte, im mittlern Teile besonders Baumwolle. Die Hauptstadt Maranhäo oder Säo-Luiz de Maranhäa liegt auf der Nordwestküste der In-⸗ sel Säo-Luiz de Maranhäo, welche 30 km landeinwärts durch den Mosquitofluß, eine schmale Wasserverbindung zwischen den Baien von Säo—⸗ Marcos und Säo-José, vom Festlande getreunt wird. Sie ist ein Seeplatz von (1883) 35000 E., Sitz eines Bischofs, hat ziemlich gut gebaute Häuser und breite Straßen, ein großes Gouvernementsgebäude, ein Stadthaus, eine Kathedrale, mehrere Klöster, ein See-Arsenal, Theater, Museum, öffentliche Bibliothek, botan. Garten, sowie ein Lyceum und zwei Banken. Die Stadt betreibt aus ihrem guten und sichern Hafen Handel mit Häuten, Baumwolle, Reis, Zucker, Rum, Droguen und Manteiga de Tartaruga (einer Art Butter aus Schildkröteneiern). Die auf der West⸗ und der Ostküste der Insel gelegenen Forts Säo-Marcos und Säo— José decken die Eingänge in die nach ihnen benannten Baien. Der Stadt gegenüber liegt an der Säo-Marcosbai der Hafenort Alcantara mit 5000 E.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 429Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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