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ErdkundeBrockhaus 1882

Montauban, die Hauptstadt des franz. Depart. Tarn-Garonne, auf einem bis 29 m hohen Plateau zwischen dem Tarn und Tescou an der Linie Bordeaux-Cette der Südbahn und Lexos-M. der Orléansbahn, ist der Sitz eines kath. Bischofs, eines Tribunals erster Instanz, eines Assisenhofs, eines Handelsgerichts, einer Gewerbe- und einer Ackerbaukammer, zählt (1881) 20840 zum Teil prot. E. und hat Woll⸗, Baumwoll- und Seidenspinnereien, viele Färbereien, Schmelzhütten, zahlreiche Fabriken für Beuteltuch, Mitteltuche (Cadis de M.) und andere Zeuge, für Kupferwaren, Buntpapier, Farben, Chemikalien, Stärke, Fayence u. s. w., und bedeutenden Handel, vorzüglich mit Leder, Getreide, Wein, Ol, Droguerien, Lumpen, Gänseleberpasteten. M. hat eine theol. Fakultät der Reformierten (seit 1810), welche die Hauptlehranstalt für calvinische Geistliche bildet, ein kath. Priesterseminar, ein Kommunal-Collége, ein Lehrerseminar, eine Handwerkerschule, eine Freischule für Zeichenkunst und Geometrie, ein Museum für Gemälde und Skulpturen und ein daereWnte Museum im Börsengebäude, ein archäol. Museum, eine öffentliche Bibliothek von 23000 Bänden im Stadthause und ein Theater. Die Thore und die meisten öffentlichen Gebäude sind schön gebaut, die Kathedrale (von 1739) und die Jakobikirche sehenswert. Eine 1303—16 erbaute Brücke von sieben großen Bogen führt über den Tarn zur Vorstadt Ville-Bourbon und unterhalb der Stadt eine Eisenbahnbrücke von sieben Bogen. M. hat seinen Namen von der Menge der Weidenbäume in der Gegend, welche das Volk alba nennt. Ehe die Stadt entstand, befand sich hier ein Kloster Mons aureolus. M. wurde 1144 vom Grafen Alphonse von Toulouse angelegt, ward 1317 Bischofssitz, nahm 1572 die Reformation an und erhielt seitdem als Festung der Calvinisten geschichtliche Berühmtheit durch ihre harten Schicksale während der Religionskriege, namentlich durch die Belagerungen von 1580 und 1621. Nach der Unterwerfung von 1629 ließ Richelieu die Mauern schleifen. Infolge des Widerrufs des Edikts von Nantes hatte M. viel zu leiden. Unter den in der Umgegend erzeugten Montaubanischen Weinen, weißen und roten, sind die besten die von Dusau, Beausoleil und St.⸗ Martial; sie sind süß und stark.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 834Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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