FeedMoschus
HeilkundeBrockhaus 1882

Moschus oder Bisam ist ein eigentümliches tierisches Sekret, welches als Arzneimittel bedeutenden Ruf hat. Es sammelt sich bei dem Mos chus- oder Bisamtier (s. d.) in einem besondern Beutel, der bei dem Männchen, nicht bei dem Weibchen, in der Nähe der Geschlechtsteile und etwa 12 bis 16 em vom Nabel entfernt liegt. Dieser Beutel besteht aus mehrern Häuten, die nach außen mit der von Haaren bedeckten Bauchhaut überzogen sind, und ist mit zwei Offnungen versehen. Zwischen den Häuten liegen Drüsen, von denen der M. secerniert wird. Dieser bildet im frischen Zustande eine fast salbenartige, weiche, rötlichbraune Masse von eigentümlich durchdringendem, sehr lange anhaltendem Geruch und bitterm, widrig gewürzhaftem, schwach salzigem Geschmack. Durch Austrocknen wird er nach und nach dunkler, zuletzt schwarzbraun und erscheint nun in mehr oder minder regelmäßigen runden Körnern von der Größe eines Stecknadelkopfes bis zu der einer Erbse, die sich leicht zerreiben lassen und auf Papier einen braunen, wenig zusammenhängenden Strich geben. Mitunter bemerkt man auf dieser braunen Masse weißliche Punkte, welche von auskrystallisierten Salzen herzurühren scheinen. Der beste M. ist der tongkingsche, mit dem der tibetanische und orientalische identisch ist. Derselbe kommt aus China über Ostindien größtenteils nach England. Die Beutel sind von der Größe eines Hühnereies und mit steisen bräunlichen Haaren bedeckt. Geringer sind die sog. kabardinischen, moskowitischen, sibir. oder russ. Moschusbeutel mit weißen Haaren. Seines hohen Preises wegen ist der M. mancherlei Verfälschungen unterworfen; man hat nicht selten zwischen den Häuten der Beutel Bleistückchen, Leder und in der Masse des M. selbst trockenes Blut, gebrannte Cichorie und Rüben, Galle, Asphalt u. s. w. gefunden. Auch sind ganz nachgemachte Moschusbeutel vorgekommen. Der M. wird als Heilmittel angewendet, dient aber auch als Parfüm, obgleich der Moschusgeruch nicht mehr zu den feinen Gerüchen zählt. Eigentümlich und wissenschaftlich noch nicht aufgehellt ist es, daß der M. durch Milch aus bittern Mandeln, durch Zusammenreiben mit Mutterkorn und verschiedenen andern Arzneimitteln seinen Geruch (ob auch seine Wirkung ist nicht bekannt) vollständig verliert.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 884Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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