Mozambique oder Mogambique (Mosambih), port. Generalgouvernement auf der Ostküste Südafrikas, gegenüber der Insel Madagaskar und von dieser durch den 1700 Em langen und 400— 888 kmbreiten Kanal von Mozambique getrennt, welcher durch die besonders bei Nordostmonsun sehr heftige, nach Süden gerichtete Mozambiqueströmung für die Schiffahrt sehr gefährlich ist. Zwischen Zanzibar und Kaffraria gelegen, erstreckt sich das Land vom Kap Delgado (10 41 südl. Br.) und dem Flusse Rovuma oder Luvuma bis zur Delagoabai (26 südl. Br.), im Innern (nach den von den Portugiesen beanspruchten Grenzen) bis zur Mündung des Kafue in den Zambesistrom (fast 28 30 östl. L.) und hat ein Areal von 991150 qkm, von dem jedoch nur ein kleiner Teil, den Portugiesen wirklich unterworfen ist. Die Einwohnerzahl ist sehr gering (166 500 Seelen, darunter 2000 Weiße). Das Generalgouvernement wird durch den Zambesi (s. d.) in zwei Hauptländer geteilt, das eigentliche M. im Norden, und Sofala im Süden. Der Küstensaum ist größtenteils sehr flach, von Riffen und kleinern Inseln begleitet, ohne Dies sowie Baien, mit nur wenigen guten Häfen. dies sowie verschlämmte Flußmündungen, Sandbänke und Untiefen, heftige Brandungen und Strömungen machten die Küste den Seefahrern zu allen Zeiten sehr gefährlich. Die Küstengegend zeigt sich teils öde, hin und wieder mit Mimosengebüsch bedeckt, teils als ausgedehntes Sumpfland mit dichten Urwaldungen, welche Büffel, Elefanten, Rhinoceronten und Raubtiere aller Art bewohnen, während Krokodile und Hippopotamen die Flüsse beleben. Doch fehlt es auch nicht an kultivierten Küstenstrecken, die reiche Ernte geben. Im Westen des flachen Küstenlandes erhebt sich, als ein Teil des Ostrandes von Südhochafrika, ein breites Plateau mit aufgesetzten, der Küste parallel ziehenden Berggruppen und Bergketten. An der äußersten Westgrenze des Landes erhebt eh das Hochland der Matuka. Bedeutendere Erhebungen hat man bis jetzt nur im Norden des Zambesi, kurz vor dessen Eintritt ins Tiefland gefunden. Es ist dies das etwa 900m hohe Plateau- und Bergland, in welches die Seebecken des Njassa und Schirwa, sowie das tiefe Thal des Schire, der aus dem Njassa in den Zambesi fließt, eingesenkt sind. Von den zahlreichen Flüssen ist nur der Zambesi von Wichtigkeit; aber auch dieser ist wegen seiner Stromschnellen und großen Wasserfälle für den Verkehr ungeeignet. Ebenso ist der Schire wegen der 154 m hohen Murchison-Katarakte nicht bis zum Njassa fahrbar. Das Klima des Landes ist ungemein heiß. Die Regenzeit dauert vom November bis April, wird aber von einer Pause der Trockenzeit im Dezember und Januar unterbrochen. Mit der Verdunstung des Wassers verbreitet sich die Fieberluft, und nur in den höher gelegenen Gegenden erfreut man sich eines gesündern Klimas. Die afrik. Pflanzen⸗ und Tierwelt entfaltet sich in M. in der üppigsten Fülle. Die meisten tropischen Ackerfrüchte gedeihen; die Baumwollstaude liefert ein vortreffliches Produkt; die Waldungen geben wertvolle Hölzer; Meer und Flüsse sind reich an Fischen und Schildkröten. Handelsgegenstände sind Tierfelle und Elfenbein. Die Ausbeute an Gold ist gering, dagegen finden sich Kupfer und Eisen, sowie am Zambesi mächtige Lager vortrefflicher Steinkohlen. Die einheimische Bevölkerung gehört der Sprache nach zur großen Familie der Kaffern. Im Innern M.s wohnen die Makua oder Mokkua, westlicher die Mohiau oder Wahiao, am Schire die Mangandscha, an der südl. Hälfte des Njassasees die Marawi, auf dem Hochlande im Westen des Sees die Mazitu etc. Die zahlreichen Stämme am Zambesi oberhalb der Lupatastufe bildeten einst das große Reich Mwanamotapa oder Monomotaäpa, eine Negerkonföderation, die sich in der Mitte des 18. Jahrh. aufgelöst hat. Weiter im Süden ist das Land jetzt den Kaffern preisgegeben, die zum Teil auch nordwärts über den Zambesi gedrungen sind. Die Portugiesen ergriffen unter Vasco de Gama 23. Jan. 1498 Besitz an einer der Zambesimündungen und dehnten hierauf, durch die Häfen und den Ruf des Goldreichtums gelockt, ihre Herrschaft an der Küste und am Zambesi immer weiter aus. Gegenwärtig haben die von ihnen besetzten Küstenyunkte nur noch als Stationen für den ind. Handel einige Wichtigkeit. Das Klima ist für die Europäer so verderblich, daß alle Versuche, dauernde Niederlassungen von Weißen hier zu gründen, gescheitert und die portug. Niederlassungen fast nur Verbannungsorte sind. Die dahin geschickten Soldaten (1420 Mann), ja selbst die Beamten, mit Ausnahme der Gouverneure, sind größtenteils deportierte Sträflinge. Bei allem Reichtum an Produkten befindet sich die ganze Kolonie, ihre Verwaltung und ihr Handel in der allertraurigsten Verfassung. Ein von der portug. Krone ernannter Generalgouverneur und ein Sekretär führen die Verwaltung und werden durch eine Junta unterstützt. Unter dem Generalgouverneur stehen nach dem portug. Staatshandbuch acht Untergouverneure für die einzelnen Distrikte, nämlich der Distrikt Cabo-Delgado (Hauptstadt Ibo) mit den Kerimba-Inseln, Insel Angoza, Quelimane, Tete, Senna, Sofala mit der Verbrecherstation der Bazaruto-Inseln, Inhambane und Lourengo-Marquez an der Delagoabai. Die Einnahmen beliefen sich 1883—84 auf 459387, die Ausgaben auf 612282 Milreis (zu 4,45 Mark). Eine Eisenbahn von Lourengo-⸗Marquez nach der Grenze von Transvaal ist im Bau. Die Hauptstadt Mozambique nahe der Küste auf der kleinen Koralleninsel M., die ungesund und ohne Trinkwasser, 1508 von Juan de Castro gegründet, ist Sitz des Generalgouverneurs und Mittelpunkt des Handels, der hauptsächlich auf arab. Schiffen nach Indien getrieben wird. Der Ort hat eine sichere Hafenbai, drei Forts, zwei Kirchen und drei kleine Kapellen, ein großes steinernes Gouverneurpalais, ein Hospital, ein Gefängnis, Warenhäuser und zählt 7000 E., darunter nur wenige Portugiesen und ind. Banianen, zum größten Teil Skläen und freie Farbige.