FeedMücken
TierreichBrockhaus 1882

Mücken (Nematocéra) bilden eine Familie der zweiflügeligen Insekten und unterscheiden sich von den übrigen Zweiflüglern durch sechs-bis vierundzwanziggliederige, hakenförmige, behaarte oder bei den Männchen oft federbuschartige Fühler, welche gewöhnlich oft vielmal länger als der Kopf sind. Sie sind die schlanksten unter den Zweiflüglern und mit langen, dünnen Beinen versehen, von denen sie beim Sitzen oft das hinterste Paar ausstrecken. Der Rüssel ist öfters mit vier Stechborsten versehen, mit denen die damit versehenen M. andere Tiere anstechen, wobei die nicht mit eindringendeLippe knieförmig geknickt wird. Nur die Weibchen stechen, und diese können, wo sie in ungeheuern Schwärmen vorhanden sind, zu einer fürchterlichen Landplage werden, und zwar nicht allein in den Tropenländern, wo die unter dem Namen Mosquitos (s. d.) bekannten Stechmücken manche Gegenden selbst unbewohnbar machen, sondern auch in kalten Ländern, wie in Lappland und auf den nie völlig auftauenden Gestaden des nördl. Sibirien. In Deutschland wird hauptsächlich die gemeine Stechmücke (Culex pipiens) lästig. Beim Stich läßt sie einen Saft in die Wunde fließen, der reizend wirkt und den Zufluß des Blutes befördert, vorzüglich aber dann eine bedeutende Entzündung und Geschwulst veranlaßt, wenn beim schnellen Wegjagen der M. die Spitzen der Stechborsten abbrechen und in der Wunde stecken bleiben. Das Weibchen legt vier-⸗ bis sechsmal etwa 300 Eier ins Wasser, die zu einer ovalen Scheibe zusammenkleben und aus denen nach wenig Tagen die Larven schlüpfen. Die geringelte Stechmücke (C. annulatus, Tafel: Insekten I, Fig. 30) ist größer, gelbgrau mit weißgeringelten Fühlern und Beinen, sie erscheint besonders im Spätherbst. Im Frühling ist in deutschen Wäldern die gemeine Kriebelmücke (Simulia reptans) mit schön irisierenden Flügeln häufig und vorzüglich dadurch lästig, daß sie an den empfindlichsten Teilen, wie Nasenlöchern u. s. w. sticht. Zu dieser Gattung gehört die berüchtigte Kolumbaczer Mücke (S. columbacyensis, s. unter Kriebelmücken), welche dem Vieh der untern Donaugegenden gefährlich wird. Die zur Gattung Gallmücke (Cecidomyia) gehörende europäische Weizenschnake (C. tritici) legt ihre Eier an die noch unentwickelten Blüten des Weizens, deren Blutenstaub von den auskriechenden Larven verzehrt wird, sodaß die Blüten taub bleiben. Zum Glück ist sie aber bei uns nicht häufig; ebenso wenig die amerikanische Weizenschnake (C. destructor) oder Hessenfliege (s. d.). An den Knollengewächsen ist in Gärten die Larve der Garten-Haarmücke ‚s. unter Haarmücken, Bibio hortulanus; Tafel; Insektenl, ig. 31) sehr schädlich. Die langbeinigsten aller zweiflügler finden sich unter der Gattung Schnake (Tipüla), deren Arten aber nicht stechen können. Gemein ist die Wiesenschnake (T. pratensis), auch Bach- oder Pferdemücke genannt. Die Maden der Trauermücken (Sciara), zu welchen auch der Heerwurm (s. d.) gehört, leben meist in Wurzeln und Knollen, eine Art aber, die Birn-⸗ müccke (S. pyri), in jungen Birnen, die sie nahe am Stil anbohrt, einschrumpfen und abfallen macht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 905Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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