Libellen oder Wasserjungfern ist der Name einer bekannten Familie von netzflügeligen ten, die zu den Urflüglern (Archiptera) gehören und von deren Arten eine Anzahl in Deutschland, zumal längs der Flüsse und Bäche, sich aufhält. Ein langer, schlanker, gegliederter Leib, vier gleichgroße, durchsichtige und mit vielen Netzadern versehene Flügel, kurze Fühler, welche kürzer oder kaum länger sind als der freie, drehbare Kopf, und öfters eine prächtige metallisch-grüne oder blaue Färbung zeichnen sie aus. Als kühne und sehr gefräßige Raubtiere verfolgen sie in schnellem Fluge alle schwächern fliegenden Insekten, besonders Frü H (Phryganeen), Florfliegen u. s. na ren sich aber niemals von Pflanzensäften. Auch ihre mit einem eigentümlichen Fangapparat, der aus der Unterlippe gebildeten Helmmaske, versehenen Larven, welche im Wasser leben, durch Kiemen, die zum Teil im Afterdarm angebracht sind, atmen und meist 10 bis 11 Monate in diesem Zustande verharren, sind ebenso gefräßig und überfallen andere Wasserlarven und selbst ganz junge Fische und Kaulpadden. Die Färbung bietet bei den L. unzuverlässige Merkmale zur Bezeichnung der Arten, da sich Männchen und Weibchen oft in der Färbung n nicht gleichen. Den Menschen sind sie nie schädich, sondern durch den Insektenfang eher nützlich. Die eigentliche Libelle (Libellula) zeichnet sich durch sehr große, vorn zusammenstoßende Augen und die in der Ruhe horizontal ausgebreiteten Flü1 aus. Dahin gehört die bei uns häufige platteibige L. (L. depressa), deren Flügel ben os sind, deren Hinterleib bei den Männchen oben bläulich, unten gelbgefleckt und bei den Weibchen bräunlich ist. Die vierfleckige L. (L. quadrimaculata) unterscheidet sich von voriger durch die in der Mitte mit einem schwarzbraunen Fleck gezeichneten Flügel; sie ist sehr häufig und macht zuweilen in Scharen große Wanderungen. Die Wasserjungfern (Agrion) haben vorn zwischen den Augen einen freien Raum und tragen die Flügel in der Ruhe aufgerichtet. Die sehr häufige gemeine Wasserjungfer (K. Virgo) hat gefärbte Flügel, deren Farbe aus Stahlblau in Grün und Braun übergeht; dagegen sind die Flügel der blauen Wasserjungfer (L. Puella) farblos und der Körper ist blau, grau, grün oder rötlich. Die Schneider (Aeschna), welche die größten Arten zeigen, leben in waldigen und bergigen trockenen Gegenden.