FeedFliegen
TierreichBrockhaus 1882

Fliegen oder Kurzhörner (Brachycera) nennt man im allgemeinen diejenige Gruppe der zweiflügeligen Insekten (Dipteren, s. d.), welche kleine, kurze, aus einem sehr kleinen Wurzelgliede, einem kurzen Mittelgliede und einem vielgestaltigen, aber stets mit einer Borste oder einem Griffel versehenen Endgliede bestehende Fühler hat, und zu der unter den bekanntern Formen die Bremsen, Mord⸗, Schwebe und Trauerfliegen gehören. Die eigentlichen .7 oder Gemeinfliegen (Muscida) aber bilden in dieser Gruppe eine ichr zahlreiche . die in Europa wenigstens 600 Arten zählt. ieselben unterscheiden sich durch die niederliegenden oder gesenkten Fühler, den eingezogenen, an der Wurzel geknickten, mit fleischigen Endlippen versehenen Rüssel und das mit einer Quernaht bezeichnete Rückenschild. Im allgemeinen Außern und in der Lebensweise sind sie jedoch einander so ähnlich, daß im gemeinen Leben nicht selten verschiedene Arten und Gattungen miteinander verwechselt werden. In neuerer Zeit hat man sie in eine sehr große Anzahl von Gattungen und —1— Unterfamilien eingeteilt. Außerordentlich groß ist ihre Fruchtbarkeit, wodurch sie zu einer Plage für die Menschen werden. So fand Réaumur in dem Leibe einer gemeinen Fleischfliege(Sarcophaga carnaria) etwa 20000 Maden. Nach der Berechnung eines zuverlässigen Beobachters soll von einer einzigen weiblichen, im April 80 Eier legenden Schmeißitiege innerhalb eines Sommers eine Nachkommenschaft von 80 Mill. Individuen entspringen können. überdies werden mehrere durch ihre Zudringlichkeit und Naschhaftigkeit dem Menschen lästig, wie die Stubenfliege (Musca doméstica), oder durch die Sitte, ihre Eier auf den dem Tierreiche entnommenen Nahrungsmitteln anzubringen, widrig, wie die blaue Schmeißfliege (Musca vomitoria), die Fettfliege (Piophila petasionis), die Käsefliege (Piophila casei), deren Maden im Fleisch und im Käse nur zu bekannt sind, oder durch den Schaden, welchen sie den äharmölic zufügen, gefährlich, wie die Roggenhalmfliege (Chlorops pumilionis), deren Larve das Mark der Getreidehalme oberhalb der Wurzel ausfrißt und die Halme zum Verwelken bringt, oder endlich durch ihren Aufenthaltsort ekelhaft, wie die Dungfliege (Scatophaga). Die Larven der Minierfliege (Tephritis) fressen in den Früchten oder im Zellgewebe der Pflanzenblätter Gänge aus. Indes ist bei diesen mannigfachen Unannehmlichkeiten, welche die F. bereiten, auch zu bedenken, daß durch die Brut vieler dünstungen verbreitende Körper zerstört werden, welche sonst mannigfache Nachteile zu erzeugen geeignet wären, und daß die Schnellfliege (Tachina) zu den vorzüglichsten Raupenvertilgern gehört. Um die genauere Kenntnis der F., wie der Dipteren überhaupt, hat sich Meigen (s. d.) verdient gemacht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 902Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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