FeedMüllner (Amandus Gottfr. Adolf)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Müllner (Amandus Gottfr. Adolf), Kritiker und dramatischer Dichter, geb. 18. Okt. 1774 zu Langendorf bei Weißenfels, ein Schwestersohn des Dichters Bürger, besuchte die Fürstenschule zu Pforta und studierte in Leipzig die Rechte, ließ sich 1798 als Advokat in Weißenfels nieder und gab hierauf anonym den Roman Incesto (2 Bde., Greiz 1799) heraus, dessen Schluß jedoch nicht von ihm herrühren soll. Für ein Privattheater in Weißenfels schrieb er die Lustspiele Die Vertrauteno, Die großen Kinders, Die Onkeleiv u. s. w. gum Teil nach franz. Originalen von Etienne und andern und meist in fließenden Versen verfaßt), welche in den (Spielen für die Bühnes (2 Sammlungen, Lpz. 1815—20) und im «Almanach für Privatbühneno (3 Bde., Lpz. 1817—19) enthalten sind, und die Dramen Der neunundzwanzigste Februaro (Lpz. 1812), veranlaßt durch Werners „Vierundzwanzigsten Februaro; ferner Die Schuldo (Lpz. 1816), KKönig Yngurdo (Lpz. 1817) und Die Albaneserind (Stuttg. 1820). Erfindung, sarkastischer Witz und Feinheit in der Ausführung des Einzelnen, verbunden mit Menschenkenntnis, aber ohne alle Wärme des Gefühls, sind das Eigentümliche seines Talents als Lustspieldichter. Seine Trauerspiele zeichnen sich durch planvolle Anlage und poetische Sprache aus. Der Grundfehler derselben aber ist eine mißverstandene Schicksalsidee, die ihnen in abstoßender Weise eigen ist und allen höhern Wert benimmt. M. redigierte 1820—25 das „Litteraturblattvo zum «Morgenblatto, gab 1823 die Hekater und seit 1826 das Mitternachtblatty heraus. Sowohl in diesen Blättern wie als Mitarbeiter an vielen andern Zeitschriften übte er eine schonungslose Kritik. Selbstsucht führte Mühderhältnn zu vielfachen Ungerechtigkeiten und kißverhältnissen in seinen persönlichen Verhältnissen sowohl als im litterarischen Leben. Er wurde auah in eine Unzahl von Prozessen verwickelt, zunächst mit Friedrich Arnold Brockhaus (ogl. darüber Müllnerianav, Opz. 1820, und H. E. Brockhaus, «Friedrich Arnold Brockhausv, Bd. 3, Lpz. 1881), dann mit Vieweg und Cotta. M. selbst veranstaltete eine Sammlung seiner Vermischten Schriften» (2 Bde., Stuttg. 1824 —26) und seiner „Dramatischen Werkey (8 Tle., Braunschw. 1828). über seine Verleger verbreitete er sich in seiner letzten Schrift, Meine Lämmer und ihre Hirten»(Wolfenb. 1828), die den achten Teil seiner „(Dramatischen Werker bildet. Er hatte 1817 den Titel als preuß. Hofrat erhalten und starb zu Weißenfels 11. Juni 1829. Sein litterarischer Nachlaß befindet sich in der herzoglichen Privatbibliothek zu Gotha. Vgl. Schütz, H.s Leben, Charakter und Geisto (Meißen 1830); Höhne, Zur Biographie und Charakteristik M.sy (Wohlau 1875).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 922Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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