FeedZola (Emile)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Zola (Emile), hervorragender franz. Romanschriftsteller und Theaterdichter, geb. 2. April 1840 in Paris, wo sein Vater, ein Venetianer, damals wohnte. Z., erhielt, nachdem er das Lyceum St.⸗ Louis besucht, eine Stelle in einer Buchhandlung und beschloß, die litterarische Laufbahn zu ergreifen. Seine Erstlingsarbeit war eine Sammlung Novellen, betitelt: «Contes à Ninon o (1864), denen später Nouveaux contes à Ninonv (1881) folgten. Hierauf erschienen schnell nacheinander die Romane und Charakterstudien: „Confession de Claude (1865), Vou d'une mortes (1866), Mystères de Madeleine Ferato (1868). Unter dem Titel: Les Rougon-Macquarto gab er sodann eine Folge von Romanen heraus, in denen dieselben Personen immer wieder auftreten, und welche im ganzen die Natur⸗ und Sittengeschichte einer Familie unter dem zweiten franz. Kaiserreich o beschreiben sollen. Zu diesen in zahlreichen, zum Teil, wie Nanay, in mehr als hundert Auflagen erschienenen Romanen gehören: „La fortune des Rongono (1871), La Curéer (1874), La conquête de Plassanso (187%), Le ventre de Parise (1875), La faute de L'abbé Mouret „ (1875), 4Son Excellence Eugène Rougon v (1876), L'Assommoiro (1877), Une page (1882), L'Guvrè„ (1886) u. s. w. Außerdem lieferte Z. für die Bühne: Thérèse Raquino (1873), Les héritiers Rabourdino (1874), Le bouton de nach und Gastineau nach dem Roman von Z. dramatisch bearbeitet (1879). Von diesen Bühnenstücken hatte nur das letzte dauernden Erfolg. Z. ist ein Schriftsteller von ungewöhnlichem Talent und unbestreitbarer, jedoch mehr berechneter als angeborener Originalität. Er steht an der Spitze der Schule des neuesten Realismus, welche der plattesten Alltäglichkeit durch treueste Darstellung des Wirklichen einen Nimbus von Idealismus unterzuschieben sucht, er schreibt seine Werke nach den Regeln einer eigenen, sowohl dramatischen als litterarischen Asthetik, die er mit vieler Leidenschaftlichkeit und Feindseligkeit in den Sonntagfeuilletons des Bien publico und in den Vorreden zur Sammlung seiner Bühnenstücke (Théatre d'Emile V. , 1878), sowie in der Schrift Le naturalisme au théatre (1881) entwickelt. Z. ist ein eigenartiger Schriftsteller, das echte Kind seiner Epoche; seine Vorliebe für das Krasse hängt mit der Stimmung seiner Landsleute eng zusammen, wie nicht minder die Breite seiner Detailschilderung, welche die Abkehr von den großen Grundzügen aller klassischen Litteratur und allem wahren Idealismus derb genug kennzeichnet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 935Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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