Münsterberg, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Breslau, an der Ohlau, 56 km im SSW. von Breslau, Station der Linie Breslau-Mittelwalde der Preußischen Staatsbahnen, ist Sitz eines Landratamts und eines Amtsgerichts, er eine evang. und drei kath. Kirchen, ein Kloster (Elisabethinerinnen) für Krankenpflege, eine Synagoge, ein evang. Schullehrerseminar (seit 1849), eine Präparandenanstalt, eine höhere Töchterschule und (1880) 5980 meist kath. C., die Leinweberei, Gerberei und Töpferei, Getreide- und Obsthandel treiben und eine große Chamott⸗ und Thonröhrenfabrik unterhalten. Die alte Kirche der Kreuzherren wird jetzt anderweitig benutzt, und von der 1468 zerstörten Burg ist noch eine Kapelle vorhanden. der Nähe befindet sich ein kaltes Schwefelbad und ein Graphitlager, und 7 km im N. liegt das Pfarrdorf Heinrichau, mit 930 E. und einem ehemaligen, 1222 gegründeten Cistercienserkloster, welchem ein infulierter Abt vorstand, jetzt Besitzung der Großherzogin von Sachsen-Weimar. Der Kreis Münsterberg zählt (1880) auf 343 qkm 33444 meist kath. E. Er bildete mit dem Kreis Frankenstein ehemals das niederschles. Fürstentum Münsterberg. Dieses fiel 1454 an die Krone Böhmen und wurde 1654 durch Kaiser Ferdinand III. an die fürstl. Familie Auersperg verliehen, welche es auch nach der preuß. Besitznahme Schlesiens behielt, indem Friedrich II. den Reichsfürsten Heinrich Johann von Auersperg 1750 mit M. förmlich belehnte. Doch schon dessen Sohn, Karl Joseph Anton, trat 1791 alle aus dieser Belehnung fließenden Rechte für 450000 Fl. an die Krone Preußen ab, und König Friedrich Wilhelm II. überließ die freie Standesherrschaft M.⸗Frankenstein mit 9 Dörfern, einen Teil der fürstlich-münsterberg. Kammergüter, dem Grafen Schlabrendorf.