FeedMurau
ErdkundeBrockhaus 1882

Murau, Stadt in Obersteiermark, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, an der Mur in einem Gebirgsthale, zählt (1880) 1308 E. und hat starke Eisenindustrie. Schloß und Gut sind Eigentum der Fürsten von Schwarzenberg. die, ursprünglich im Großfürstentum Moskau ansässig, 1488 durch Iwan Wasiljewitsch I. Ländereien im Nowgorodischen erhielt. Nikolai Jeroféjewitsch M. war Kapitän im Geniekorps und gab 1752 unter dem Titel «Natschalnyja osnowanija Matematikis das erste Werk über Algebra in russ. Sprache heraus. Unter Katharina II. mit der Leitung der topogr. Arbeiten in Rußland beauftragt, war er zuletzt Generallieutenant und Gouverneur von Livland und starb 1770 auf einer Reise in Montpellier. Michail Nikititsch M., 11 1757 zu Smolensk, wurde von Katharina II. zum Lehrer der Großfürsten Alexander und Konstantin chichtlihen, zu deren Gebrauch er eine Reihe von geschichtlichen, moralischen und litterarischen Abhandlungen verfaßte. Unter Paul J. ward er Geheimrat, unter Alexander 1802 Gehilfe des Ministers der Volksaufklärung. Er starb 1807. Seine Schriften „Opyty Istorii, Slowesnosti i Nrawutschenias sind von Karamsin herausgegeben worden (3 Bde., Mosk. 1810). Ein Nachtrag Emiliewy pisma erschien erst später (Petersb. 1815). Nikolai Nikolajewitsch M., Sohn des Generallieutenants Nikolai Jerofejewitsch, geb. 1768 zu Riga, wurde als Lieutenant bei der Ostseeflotte angestellt und erhielt später das Kommando des sog. Goldenen der 17965t der Kaiserin Katharina, vertauschte aber 1796 den Marinedienst mit der Armee und nahm 1797 als Oberstlieutenant den Abschied. Er siedelte sich auf einem kleinen Gute bei Moskau an, wo er eine Privatlehranstalt für Offiziere des Generalstabes (die sog. Schule der Kolonnenführer) gründete, aus welcher mehrere der ausgezeichnetsten russ. Generale hervorgegangen sind. Die Feldzüge 1812—14 machte M. als Oberst und Stabschef des Grafen Tolstoi mit, schloß mit dem franz. General Dumas die Kapitulation von Dresden ab und nahm hierauf an der Belagerung von Hamburg teil. Mit dem Rang als Generalmajor kehrte er zu seiner Militärakademie zurück, die 1816 für kaiserlich erklärt wurde. Im Febr. 1823 mußte er die Leitung derselben aufgeben. Er gehörte zu den Begründern der Moskauer Okonomischen Gesellschaft und veranlaßte 1830 eine russ. Übersetzung von Thaers «Grundlagen der rationellen Landwirtschafto, die er mit vielen auf Rußland bezüglichen Anmerkungen bereicherte. Er starb zu Moskau 1. Sept. 1840. Sein ältester Sohn, Alexander M., geb. 1792, wurde als Oberst wegen Teilnahme an der Verschwörung von 1825 nach Sibirien verbannt, aber später zurückgerufen. Beim Ausbruch des Kriegs von 1853 nahm er wieder Dienste, ward Generalmajor, 1856 Gouverneur von Nishnij-Nowgorod, und starb als Generallieutenant und Senakor zu Moskau im Jan. 1864. Der zweite Sohn, Nikolai M., geb. 1793 zu Petersburg, trat 1810 in die Armee, ward Kapitän im Generalstabe, focht in den Feldzügen 1812—15 und im Kaukasus und erhielt 1819 eine Mission nach Chiwa, die er in „Puteschestwie WTurkmeniju i Chiwus (Petersb. 1822) beschrieb. Im pers. Kriege stieg er zum Generalmajor, zeichnete sich 1828 bei Kars und Achaltzüch, 1829 bei Kainly und Milli-Dius aus und erhielt 1830 das Kommando der littauischen Grenadierbrigade, mit welcher er im poln. Feldzug von 1831 zum Sieg bei Kazimierz das Meiste beitrug, wofür er zum Generallieutenant befördert wurde. Beim Sturm von Warschau befehligte er den rechten Flügel und nahm die Verschanzungen von Rakowiec. Ende 1832 ging er als außerordentlicher Bevollmächtigter Rußlands nach Agypten, um Mehemed-Ali zum 50Sporns e zu ii befehligte die am osporus gelandeten russ. Truppen und ward 1835 Befehlshaber des 5. Infanteriekorps. Im J. 1838 erhielt er seinen Abschied und lebte mehrere Jahre in Zurückgezogenheit, bis er 1848 wieder in Dienst trat, zum Mitglied des Militärconseil, dann zum Chef des Grenadierkorps ernannt wurde. Im Dez. 1853 rückte M. zum General der Infanterie auf, und Ende 1854 ward er Statthalter von Kaukasien und Oberbefehlshaber des dortigen Heers. Im Feldzug von 1855 übernahm er die Führung des für den Feldzug in der asiat. Türkei bestimmten Korps und eroberte Kars 28. Nov. 1855. Dieser 561 I% ihm den Fürstentitel ein. Im Juli 1856 legte M. im Kaukasus den Oberbefehl nieder, ward in den Reichsrat berufen und zum Präsidenten der Kommission ernannt, die zur Untersuchung der während des Krimfeldzugs in der russ. Armee vorgefallenen Mißbräuche zusammentrat. Er starb 4. Nov. 1866. Der dritte Sohn, Michail M., geb. 1795, ward Generalmajor und Militärgouverneur von Grodno, dann von Kursk, 1842 Oberdirektor des Feldmesserkorps, Generallieutenant und im Jan. 1850 Mitglied des Reichsrats. Als Vizepräsident der Russischen Geographischen Gesellschaft betrieb er die Ausrüstung der großen wissenschaftlichen Expedition nach Sibirien und andere gelehrte Unternehmungen. Nach der Thronbesteigung Alexanders II. übernahm M., nachdem er 1856 zum General der Infanterie befördert worden, im April 1857 die Leitung des Ministeriums der Reichsdomänen und valdan den Vorsitz im Verwaltungsrat der kaiserl. Apanagen. M. widersetzte sich hartnäckig der Befreiung der Leibeigenen, riet bei den Studentenunruhen im Herbst 1861 zu den schärfsten Gewaltmaßregeln und machte sich dadurch so verhaßt, daß er im Dezember desselben Jahres seine Entlassung einreichen mußte. Nach Ausbruch des Aufstandes in Litauen wurde er 14. Mai 1863 mit außerordentlichen Vollmachten als Generalgouverneur und Oberbefehlshaber nach Wilna geschickt, unterdrückte dort den Aufstand mit eiserner Strenge und wurde im April 1865 abberufen, zugleich aber in den Grafenstand erhoben. Er starb auf seinem Gut Syrez bei Luga 10. Sept. 1866. Der 12 Roif Sohn, Andréi M., unternahm 1830 eine Reise nach Syrien und Palästina, die er im „Puteschestwie k' Swjatym Mjestamo (2 Bde., Petersb. 1832; 4. Aufl. 1840) beschrieb. Seine spätern Pilgerschaften nach den heil. Stätten Rußlands gaben zu den «Puteschestwija k' Swjatym Mjestam w' Otetschestwes (3 Bde., Petersb. 1837 —47), eine Reise nach Rom zu den Rimskija pismav (2 Bde., Petersb. 1846) und ein zweiter Ausflug nach dem Orient zu den Pisma s“ Wostokav (2 Bde., Petersb. 1851) Veranlassung, deren glänzender Stil und religiös-poetischer Ton ihn zum Liebling des russ. Publikums machten. Außerdem hat man von ihm, neben mehrern Schriften streng theol. Inhalts, ein Trauerspiel Bitwa pri Tiweriade (Petersb. 1832) und die dramatische Skizze Dantey (Petersb. 1841), eine «Geschichte von erusalem v 2 Bde., Petersb. 1844), eine 4 Geschichte der russ. Kircher (2. Aufl., Petersb. 1845) u. a. Er starb zu Kiew 30. Aug. 1874. Nikolai Rikolajewitsch, Graf M.-Amurskij, geb. 1810 zu Petersburg, diente längere Zeit im Kaukasus und ser dich zum Generalmajor und Befehlshaber der Tschernomorischen Linie empor. Im Dez. 1847 ward er zum Generalgouverneur von Ostsibirien und 1848 zum Generalieutenant ernannt, eroberte dann das Amurland und schloß 28. Mai 1858 den Vertrag von Aigun ab, durch welchen dieses Gebiet von China an Rußland abgetreten wurde. Zur Belohnung erhielt er die Grafenwürde mit dem Beinamen Amurskij und den Charakter als General der Infanterie. Im Sommer 1859 begab er sich mit einem Geschwader von 12 Kriegsfahrzeugen nach Jeddo, wo er einen für Rußland günstigen Vertrag mit Japan abschloß. Im J. 1861 nahm er seine Entlassung und wurde zum Mitglied des Reichsrats ernannt. Ein Zweig der Familie M. hat infolge einer Heirat mit der Tochter des Kosakenhetmans Apostol (um 1730) den Namen M.⸗Apostol angenommen. Iwan Matwéjewitsch M.-Apostol, geb. 1769, war unter Paul J. Gesandter beim Niedersächsischen Kreise, dann in Madrid, wurde in der Folge Geheimrat und Senator und starb zu Petersburg 24. März 1851. Er übersetzte Sheridans „Lästerschuley (1794), die Satireno des Horaz und die (Wolken » des Aristophanes ins Russische und machte 1820 eine archäol. Reise nach Taurien, deren Beschreibung (Puteschestwie po Tawriden, Petersb. 1822) auch ins Deutsche (von Ortel, Berl. 1825) übertragen wurde. Sein Sohn, Sergéi M.⸗Apostol, Oberstlieutenant im Regiment Tschernigow, war einer der Hauptleiter der Verschwörung der Dekabristen 1825. Nach dem Fehlschlagen des Aufstandes in Petersburg ließ er den zu seiner Verhaftung abgelurten⸗ Obersten Gebel festnehmen, rief den Großürsten Konstantin zum Kaiser aus und bemächtigte sich der Stadt Wassilkow. Am 15. Jan. 1826 wurde er jedoch beim Dorfe Ustinowka von den zu seiner Verfolgung beorderten Truppen angegriffen und schwer verwundet gefangen genommen. Sein Bruder Ippolit fiel an seiner Seite; er selbst wurde nach Petersburg gebracht und dort 25. Juli 1826 durch den Strang hingerichtet. Ein dritter Bruder, Matwéi M.⸗Apostol, war Oberstlieutenant und starb als Verbannter in Sibirien. Murbach, Dorf mit ehemals berühmter Abtei im elsaß-lothring. Bezirke Oberelsaß, Kreis Gebweiler, 7 km nordwestlich von Gebweiler im Murbachthale, mit (1880) 322 E. Die Abtei M., deren Klostergebäude 1780 zerstört wurden, während die roman. Kirche zum Teil noch erhalten ist, wurde 727 durch den heil. Pirminius gegründet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 948Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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