Muratorisches Fragment (auch Canon Muratorii) heißt eins der ältesten Verzeichnisse neutestamentlicher Schriften, welches in bruchstückarti⸗ * und vielfach verderbtem lat. Texte zuerst von Muratori (s. d.) im dritten Bande seiner «Antiquitates Italicae (1740) herausgegeben wurde. Dasselbe stammt wahrscheinlich aus dem letzten Drittel des 2. Jahrh. n. Chr. und ist für die Geschichte des neutestamentlichen Kanons (s. d.) von großer Bedeutung. Der Anfang, der von den Cvangelien des Matthäus und des Markus handelt, ist bis auf wenige Worte verloren gegangen. Außer den Cvangelien und der Apostelgeschichte werden 13 Paulinische Briefe aufgeführt. Als unecht und an die. 2 werden die Briefe an die Laodiceer und an die Alexandriner bezeichnet. Außerdem werden als in der kath. Kirche anerkannte Schriften noch der Brief des Judas, zwei Briefe des Johannes, die Weisheit Salomonis, die Apokalypse des Johannes und die (jetzt ganz verlorene) Apokalypse des Petrus aufgezählt, wogegen dem Hirten des Hermas die Geltung als prophetische Schrift und kirchliches Lesebuch abgesprochen, die von gnostischen Verfassern herrührende olto. „Naß Litteratur grundsätzlich verworfen wird. Nach einigen ist der lat. Text übersetzung eines griech. Originals. Um die Herausgabe, Herstellung und Erklärung des Textes haben sich namentlich F. und K. Wieseler, Credner, von Gilse, Hertz, Volkmar, feld, Overbeck und Hesse verdient gemacht. Vgl Hesse, Das Muratorische Fragment, neu untersucht und erklärto (Gieß. 1873).